Konzept

Die Unterstützung von Demenzerkrankten, ihrer Angehörigen und derjenigen, die sich aus privaten Gründen oder sozialem Engagement heraus um Menschen mit Demenz kümmern, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sie betrifft eine Vielzahl von Gruppen, Initiativen sowie Diensten und Einrichtungen der sozialen, medizinischen und therapeutischen Versorgung. Eines der gravierendsten Probleme bei Demenzerkrankungen ist es, dass in den meisten Fällen eine Betreuung und Begleitung der Erkrankten rund um die Uhr gewährleistet werden muss. Die Familien bzw. sozialen Netzwerke sind - auf sich allein gestellt - dazu nur unter oft extremen Belastungen in der Lage. Erforderlich sind konzeptionell und zeitlich auf einander abgestimmte und vernetzte Unterstützungsleistungen. Die Chancen dazu steigen, je besser es gelingt, private, ehrenamtlich/freiwillige und professionelle Hilfen einzubeziehen. Wichtige Voraussetzung dafür ist, dass wohnortnahe Angebote allen potentiell an einem Unterstützungsnetzwerk Beteiligten bekannt sind.

Das Onlineverzeichnis der Angebote soll zudem die Transparenz der Konzepte und Ansätze, nach denen gearbeitet wird, erhöhen und damit einen Beitrag zur Qualitätsentwicklung leisten. Ein Kurzinfo zur Online-Datenbank bietet der Infoflyer zur Datenbank, der über die Informations- und Koordinierungsstelle oder die Demenz-Servicezentren bezogen werden kann.

Zielgruppen

Das Angebotsverzeichnis richtet sich vor allem an zwei Zielgruppen:

  • Es soll zum einen dem Bürgerinnen und Bürger (sei es als selbst Betroffener, als Angehöriger oder Freundin oder Freund, ehrenamtlich oder freiwillig engagierter oder auch als jemand, der ein allgemeines Informationsbedürfnis hat) den Zugang zu wohnortnahen Informations- und Unterstützungsangeboten erleichtern.
  • Das Angebotsverzeichnis soll aber zum anderen auch beruflich Engagierte in ihrer Arbeit unterstützen; also diejenigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Initiativen, Einrichtungen und Diensten, die mit Demenz, mit Demenzerkrankten sowie mit Personen und Personengruppen, die sich um Demenzerkrankte und ihr soziales Umfeld kümmern, beruflich Kontakt haben. Dies sind nicht nur Mitarbeitende in sozialen, medizinischen und therapeutischen Einrichtungen und Diensten. Auch andere Berufsgruppen, wie beispielsweise Verkaufspersonal in Lebensmittelgeschäften, Supermärkten und Einzelhandel, Taxi-, Bus- und Straßenbahnfahrer, Bankangestellte, Mitarbeitende der Justiz und Polizei, sind immer wieder und zunehmend mit Demenzerkrankten und ihren Orientierungsproblemen konfrontiert. Auch sie brauchen Informationen über wohnortnahe Information- Beratungs- und Unterstützungsangebote in Sachen Demenz, sei es um sich dort selbst zu informieren oder weiterzuqualifizieren, sei es um Betroffene dorthin weitervermitteln zu können.
Beispiele für Möglichkeiten der Nutzung durch beruflich Engagierte

Hier einige Beispiele:

  • Beruflich Engagierte können sich selbst einen Überblick über die Angebote in der Region verschaffen,
  • Sie können eigene Klientinnen und Klienten an entsprechende Dienste und Einrichtungen weitervermitteln (beispielsweise können sie einem Angehörigen eine ausgedruckte Liste z. B. der Beratungsangebote, der niedrigschwelligen Einrichtungen, der Tagespflegeeinrichtungen oder anderer Dienste, die wohnortnah weiterhelfen können, an die Hand geben),
  • Es können Netzwerke zur gegenseitigen Information, Schulung und Kooperation gebildet werden oder Ansprechpartner und Kontaktpersonen zum "kollegialen" Austausch gefunden werden.
  • Anbieter und Träger von Einrichtungen und Diensten erhalten Informationen zur Planung und Konzipierung eigener neuer oder weiterentwickelter Angebote.
  • Angebotsverzeichnisse spielen eine wichtige Rolle im Kontext einer kommunalen Bedarfsplanung und der Arbeit kommunaler Gremien und Arbeitsgruppen, z. B. der kommunalen Pflege- und Gesundheitskonferenzen.
Qualitätssicherung

Die bisher unternommenen Versuche, Qualitätskriterien für demenzspezifische Angebote zu benennen, und nur Angebote zu berücksichtigen, die diesen Kriterien entsprechen, stehen vor dem großen Problem, dass in der Regel nur wenige Angebote derart formalisierten Anforderungen entsprechen. Werden die Kriterien auf der anderen Seite zu weit gefasst, sind sie wenig aussagefähig und entsprechende Anbieterverzeichnisse werden dem selbstgestellten Anspruch einer Qualitätskontrolle in der Realität nicht gerecht. Mit diesem Dilemma waren bisher alle Versuche konfrontiert, die darauf gerichtet sind, auf kommunaler Ebene oder auf der Ebene der Gebietskörperschaften, Anbieterverzeichnisse für den Demenzbereich zu erarbeiten.

Das vorliegende Angebotsverzeichnis ist deshalb einen anderen Weg gegangen. Hier beruhen die Angaben im Angebotsverzeichnis auf einer Selbstauskunft der Dienste und Einrichtungen. Ein Beitrag zur Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung wird im Rahmen solcher Ansätze mittelbar durch Transparenz der Angebote erreicht (Stichworte "Markttransparenz" und "partizipative Qualitätssicherung"). Schon in der jetzigen Form leistet das Verzeichnis in manchen Regionen einen wichtigen Beitrag zur Qualitätsentwicklung, indem Anspruch und Wirklichkeit miteinander verglichen werden können.  

Die Angaben der Anbieter werden von den Demenz-Servicezentren zwar stichprobenartig und bei Bedarf überprüft, die Koordinierungsstelle der Landesinitiative und die Demenz-Servicezentren können jedoch keine Garantie für Wahrheitsgehalt und Vollständigkeit der Angaben übernehmen. Dies gilt auch für die Angaben zur Konzeption der demenzspezifischen Angebote und für die entsprechenden Erläuterungen der Anbieter, deren Umfang und Qualität allerdings noch recht unterschiedlich ist. 

Es besteht kein Rechtsanspruch auf Aufnahme in das Angebotsverzeichnis.

Im Zuge der Weiterentwicklung des Angebotsverzeichnisses wird es darum gehen, mehr inhaltliche Informationen anbieten zu können. Alle Anbieter werden deshalb in Zukunft mit der Bitte angeschrieben, ihr Angebot konzeptionell-inhaltlich so zu beschreiben, dass es auch für nicht-fachlich geschulte Interessierte verständlich ist. Dies wird in Zukunft eine Bedingung für die Aufnahme und Verbleib im Angebotsverzeichnis sein. 

Erläuterungen der Angebote werden es möglich machen, den Stand der bisherigen Angebote besser einzuschätzen und den weiteren Entwicklungsbedarf quantitativ und qualitativ zu beschreiben. Es ist zu erwarten, dass in Zukunft auf der Basis dieser Analysen praxisnahe und aussagekräftigere Qualitätskriterien für demenzspezifische Angebote für die verschiedenen Zielgruppen benannt werden können.

Ausnahmeregelungen

Die Landesintiative Demenz-Service NRW ist sich, wie oben bereits angesprochen, darüber bewusst, dass die Betreuung und Begleitung von Menschen mit Demenz eine besondere Herausforderung darstellt. Gerade da oftmals eine "Rund-um-die-Uhr"- Betreuung notwendig ist, die von Angehörigen allein nur schwer aufrechtzuhalten und zu organisieren ist. Dienste, die eine so genannte 24-Stunden Betreuung anbieten, werden daher mit zunehmender Regelmäßigkeit nachgefragt.

Leider sind zahlreiche Rechtsfragen bezüglich derartiger Dienstleistungen zur Zeit noch unklar und werden deshalb aktuell breit disskutiert. Solange seitens des Gesetzgebers keine eindeutigen Regelungen zu diesen Diensten vorliegen, können daher keine entsprechenden Anbieter und Angebote in die Datenbank aufgenommen werden.