Informationen für Sportvereine und andere Anbieter eines Bewegungs- oder Sportangebotes

Sie möchten ein Bewegungs- und Sportangebot für Menschen mit Demenz schaffen oder weiterentwickeln? Im Folgenden finden Übungsleiter/-innen, Trainer/-innen, Mitarbeiter/-innen von Sportinstitutionen, Mitarbeiter/-innen aus den Bereichen Altenhilfe, Rehabilitation, Pflege, Medizin, Beratung und soziale Arbeit, bürgerschaftlich engagierte Menschen und andere Interessierte Hinweise und Anregungen. Auf Grund der besseren Lesbarkeit beschränken wir uns in den FAQ’s in der Regel auf den Begriff Bewegung bzw. Bewegungsangebot. Wir meinen jedoch immer Bewegungs- und Sportangebote für Menschen mit Demenz.

 

Warum sind Bewegungsangebote für Menschen mit Demenz wichtig?

Es gibt eine Vielzahl von Gründen, warum Bewegung und Sport auch und gerade für Menschen mit Demenz ein Gewinn sein können:

  • Die Stimulation durch körperliche Aktivität regt unterschiedliche Mechanismen im Körper an:
  • Es werden z.B. Hormone ausgeschüttet, die sich positiv auf die psychische Verfassung eines jeden Menschen auswirken.
  • Bewegung wirkt sich förderlich auf die körperliche Konstitution und das körperliche Wohlbefinden aus.
  • Durch Studien ist belegt, dass Bewegung, dem Menschen gut tut, eine präventive Wirkung hat und den Verlauf einer Demenzerkrankung positiv beeinflussen kann. Die Wirkung ist mit der von Medikamenten vergleichbar.
  • Durch gemeinsames Bewegen in einer Gruppe wird auch die psychosoziale Ebene angesprochen – die Lebensqualität kann für den Menschen mit Demenz, aber auch für seine Begleitpersonen, deutlich gesteigert werden.
  • Bewegung hat den Vorteil, dass über emotional-sinnliche Kanäle kommuniziert und interagiert wird und nicht über die Kognition.
  • Die Teilnahme an einem Bewegungsangebot fördert das Kompetenz-Erleben, denn es kann an vorhandene Potenziale und frühere Interessen und Fähigkeiten angeknüpft und Neues ausprobiert werden.
  • Augenblicksfreuden und Sinnstiftung in Gemeinschaft mit anderen werden durch Bewegungsangebote erlebbar gemacht.
  • Durch die Teilnahme an einem Bewegungsangebot erleben die Betroffenen eine soziale Einbindung und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.
  • Bewegungsangebote können Gesundheit, Mobilität und Lebensqualität von Menschen mit Demenz umfassend und nachhaltig fördern.

Weitere Informationen dazu finden Sie in den Leitgedanken und Positionen des Netzwerkes Demenz und Bewegung.

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Welche allgemeinen Voraussetzungen sollten gegeben sein? Woran sollten Sie bei der Planung eines Bewegungsangebotes denken?

Folgende Dinge sind wichtig:

  • Es ist eine dem Menschen mit Demenz vertraute Begleitperson anwesend, die Orientierung gibt, über den Ablauf informiert ist, Sicherheit vermittelt und eine persönliche Begleitung der Person mit Demenz gewährleistet.
  • Die Ansprache der Teilnehmenden orientiert sich an den Möglichkeiten von Menschen mit Demenz.
  • Den Veranstaltenden ist bewusst, dass die Tagesform der Menschen mit De-menz sehr schwanken kann. Dies kann auch kurzfristig eine Teilnahme in Frage stellen.


Beachten Sie bei der Auswahl des Veranstaltungsortes:

  • Die Erreichbarkeit mit dem öffentlichen Personennahverkehr (Bus, Bahn etc.): barrierefreie Haltestelle in der Nähe.
  • Die Erreichbarkeit mit dem PKW: Möglichst nahe Anfahrts- und Parkmöglichkeiten am Veranstaltungsort.
  • Zugang zum Veranstaltungsort: Barrierefreie Zugänge und breite Türen ohne Stolperfallen wie Stufen oder steile Rampen.
  • Die Größe: Der Veranstaltungsort sollte geräumig, gut ausgeleuchtet und über-sichtlich sein (keine „dunklen Ecken“).
  • Die Räumlichkeiten: Kurze Wege innerhalb des Veranstaltungshauses und nahe gelegene, gut erreichbare behindertengerechte Toiletten und Garderoben sollten vorhanden sein.
  • Der Veranstaltungsort sollte ausreichend Sitzmöglichkeiten vor und während der Veranstaltung haben und idealerweise über Rückzugsmöglichkeiten an einen ruhigen Ort verfügen.
  • Platz zum Abstellen von Rollatoren und anderen Hilfsmitteln sollte vorhanden sein.
    TIPP: Zur besseren persönlichen Zuordnung der Hilfsmittel, machen Sie diese mit vorbereiteten Klebezetteln kenntlich.
  • Die Verpflegung: Es sollte die Möglichkeit bestehen, nicht-alkoholische Getränke in kleinen Mengen bereitzustellen oder zum Verkauf anzubieten.

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Woran sollte bei der Durchführung eines Bewegungsangebotes gedacht werden?

Folgende Faktoren tragen besonders zu einem gelungenen Bewegungsangebot bei:

  • Es herrscht Ruhe im Ablauf und eine freundliche Atmosphäre.
  • Es erfolgt eine persönliche Ansprache in einer einfachen, verständlichen und kurz gehaltenen Sprache ohne Schachtelsätze.
  • Schnelle Themenwechsel und Assoziationsketten werden vermieden.
  • Inhalte werden klar, kurz und eindeutig vermittelt.
  • Die Teilnehmenden werden über die Sinne angesprochen.
  • Der Ablauf orientiert sich an den Ressourcen der Teilnehmenden.
  • Es werden zwischen den Bewegungsaktivitäten ausreichend Pausen eingeplant sowie die Möglichkeit, Getränke zu sich zu nehmen.
  • Es gibt Raum und Zeit für Nachfragen.

Weitere Informationen können Sie hier:

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Quelle: Broschüre "Wenn das Gedächtnis nachlässt" vom Bundesgesundheitsministerium
Welche Angebotszeiten eignen sich?

Veranstaltungsbeginn und Dauer des Bewegungsangebots sollten auf die Bedürfnisse der Teilnehmenden und Angehörigen abgestimmt sein. Idealerweise sollte das Bewegungsangebot zu einer Zeit stattfinden, die dem gewohnten Tagesablauf der Teilnehmenden entspricht. Unabhängig davon, ob sie überwiegend in Pflegeeinrichtungen oder in der eigenen Häuslichkeit leben.

  • Geeignet ist der Vormittag (z. B. 10:30 Uhr), der Nachmittag (z. B. 15:00 Uhr) oder der frühe Abend.
  • Eine Angebotsdauer von ca. 60 Minuten ist angemessen. 
  • Zeit und Dauer sind jedoch auch abhängig von der Veranstaltungsorganisation und der Veranstaltungsart. In Einrichtungen könnte ein Abendspaziergang nach dem Abendessen auch ein sinnvolles Bewegungsangebot in den Abendstunden darstellen.

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Wie können potentielle Interessenten erreicht werden?
  • Gestalten Sie eine ansprechende Ausschreibung für Ihr Angebot und wählen Sie eine positive und ressourcenorientierte Ansprache in Text und Bildern. Bilder finden Sie zur freien Nutzung für Ihre Ausschreibungen unter anderem beim Landessportbund: Link zur Bilddatenbank des Landessportbundes
  • In der Bekanntmachung sollte unbedingt eine Kontaktperson namentlich genannt sein, die telefonisch oder über Email kontaktiert werden kann. Ein anonymer Anmeldeprozess – wie sonst üblich – ist nicht geeignet, da die Interessenten meist viele Fragen haben, die die spezielle Lebenssituation der Menschen mit Demenz betreffen (siehe unten).
  •   Für die Form einer Bekanntmachung haben Sie vielfältige Möglichkeiten, wie:
    • Pressetexte
    • Flyer
    • Handzettel
    • Postkarten
    • Gemeindebriefe, Gemeinde Newsletter, Gemeindeschreiben
    • DIN A4 Plakate
    • Internetauftritte (Homepages, soziale Medien wie Facebook etc.)
  • Nutzen Sie für die Ansprache von Menschen mit Demenz, die Zuhause leben:
    • Bisherige Teilnehmende und ihre Wegbegleiter (Mund-zu-Mundpropaganda)
    • Sportverbände, Sportverbünde, Sportvereine
    • Initiativen (z. B. über Mitglieder oder auch mitwirkende Ehrenamtliche in Sportgruppen für ältere Menschen)
    • Kooperationspartner aus dem Bereich der öffentlichen Seniorenarbeit
    • Ambulante Kooperationspartner aus dem Demenzbereich
    • Regionale Demenz-Servicezentren
    • Örtliche Demenznetzwerke / Runde Tische 
    • Alltagsbegleiter/ Betreuer, z.B. in niedrigschwelligen Hilfe- und Betreuungsangeboten
    • Fachkräfte aus dem Behindertenbereich (als lokale Expert/innen für In-klusion) 
    • Lokale Dienstleister (z. B. Supermärkte, Frisöre, Einzelhandelsgeschäfte, Restaurants,   Schornsteinfeger) 
    • Beratungsstellen (Pflegeberatung, Wohnberatung… etc.) 
    • Geriatrische Institutsambulanzen/geriatrische Einrichtungen (Memory Kliniken)
    • Sozialdienste im Krankenhaus
    • Fachberater für Demenz in Arztpraxen
    • Selbsthilfegruppen
  • Wenn Sie insbesondere Menschen ansprechen wollen, die in stationären Wohn- und Pflegeeinrichtungen leben, nutzen Sie:
    • Ihre Kooperationspartner aus dem Demenzbereich 
    • Pflegeeinrichtungen und betreute Wohngruppen
    • Tagespflegeangebote und Betreuungsgruppen
    • Anbieter niedrigschwelliger Hilfe- und Betreuungsangebote  (Adres-sen im Angebotsverzeichnis der Landesinitiative Demenz Service NRW)
  • Werden Sie sichtbar bei besonderen Aktionen und Veranstaltungen:
    • Beiträge, Infotische auf regionalen Veranstaltungen
    • „story telling“ und entsprechende Beiträge in der Lokalpresse (deshalb ist es immer gut, den Kontakt zu Mitarbeitenden in der Presse zu pflegen)

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Warum ist die Möglichkeit zur persönlichen Information und Anmeldung über das Bewegungsangebot so wichtig?

Ermöglichen Sie eine persönliche Kontaktaufnahme bei einer Ansprechperson, die in allen Informationsmedien namentlich genannt und möglichst auch im Porträt abgebildet ist.
Dies bindet zwar viele Ressourcen, bringt aber wichtige Vorteile mit sich, die für die Teilnahme als auch die Vorbereitung und Durchführung ausschlaggebend sein können:

  • Es können eventuelle Berührungsängste der Interessenten abgebaut werden, indem ihnen die Möglichkeit geboten wird, wichtige Fragen im Vorfeld zu klären.
  • Sie können Fragen der Angehörigen und Einrichtungen, z. B. zur Sicherheit bzw. Barrierefreiheit am Veranstaltungsort, der Organisation der Anreise, Ausschlusskriterien für die Teilnahme, der Qualifikation von Übungsleitern und Betreuungspersonen direkt beantworten.
  • Veranstaltende können mögliche Interessenten zu einer Teilnahme ermutigen und Bedenken ausräumen sowie individualisierte Vorkehrungen treffen.

Auf der anderen Seite erhalten Veranstaltende Informationen, die für die Vorbereitung wichtig sind: z. B. zur wahrscheinlichen Gruppengröße, Anzahl der Menschen, die Rollstühle benutzen, Ankunftszeit des Fahrdiensts, Anzahl, Qualifikation, Beziehungsqualität der Begleitpersonen.

Beachten Sie: Zuhause lebende Angehörige melden sich nicht selten kurzfristig ab (z. B. mit Hinweis auf eine schlechte Tagesform, Erschöpfung der pflegenden Angehörigen). Stationäre Einrichtungen können Absagen einzelner Personen dadurch kompensieren, dass sie kurzfristig andere Bewohnerinnen und Bewohnern zu einer Teilnahme bewegen.

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