Zielgruppe

Die Angebote des Demenz-Servicezentrums richten sich an verschiedene Zielgruppen. Eine Hörbehinderung kann je nach Eintrittszeitpunkt, Grad und Ausprägung sehr unterschiedliche Auswirkungen auf die Entwicklung und Lebensführung der betroffenen Menschen haben, die bei Eintritt von Pflegebedürftigkeit und Demenz gravierend sein können. Darüber hinaus kann eine Hörbehinderung gemeinsam mit weiteren Beeinträchtigungen auftreten. Bei jeder Zielgruppe ist von unterschiedlichen Kommunikationsformen, vorhandenen Versorgungs- und Informationsangeboten und Bedarfen auszugehen.

Ausgehend von der Kernkompetenz werden zunächst die Gruppe der gehörlosen Menschen im Alter und ihre Bezugsgruppen angesprochen. Gehörlose Menschen im Alter kommunizieren in Gebärdensprache, somit sind zur Verständigung mit der hörenden Welt Gebärdensprachdolmetscher im Einsatz.
Schwerhörige Menschen kommunizieren in der Regel lautsprachlich, dabei variiert das Verständnis von Lautsprache und die sich aus der Hörbehinderung ergebenen Belastungen je nach Art und Grad des Hörverlustes. Mittel-, hochgradig und bis an Taubheit grenzende Schwerhörige nutzen meist zusätzlich lautsprachbegleitende Gebärden (LBG) oder die Gebärdensprache. Unterstützt wird die Verständigung durch Schriftdolmetscher und technischer Übertragungsanlagen.
Ertaubte Menschen sind in der Regel lautsprachlich aufgewachsen. Sie verfügen über eine normale Lautsprachkompetenz, können jedoch über das Gehör keinerlei Lautsprache wahrnehmen und nutzen das Absehen gesprochener Sprache von den Lippen, Schriftsprache und in Einzelfällen auch die Gebärdensprache.
Bei der Gruppe der hörbehinderten Menschen mit einer weiteren Einschränkung sind die Menschen mit Taubblindheit, also einer hochgradigen Hör-Sehbehinderung zu nennen. Der Eintrittszeitpunkt der Hör- und/oder Sehbehinderung und deren Grade können variieren, entsprechend unterschiedlich sind die Kommunikationsformen: Gebärdensprache, taktile Gebärden, Lormen, taktiles Daktylieren und Braille. Taubblinde Menschen haben Unterstützungsbedarf im Bereich Mobilität und der Kommunikation. Hier kommen Taubblinden-Assistenten zum Einsatz.

Zielsetzung

  1. Förderung der Teilhabe von gehörlosen/ hörbehinderten Menschen mit Demenz
    Die Aktivitäten des DSZ sollen dazu beitragen, dass Menschen mit Hörbehinderung und Demenz gleichberechtigt und selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Das DSZ setzt sich dementsprechend ein für Barrierefreiheit in allen für Menschen mit Hörbehinderung und Demenz relevanten Lebensbereichen.
  2. Stärkung der Selbsthilfekompetenz von gehörlosen/ hörbehinderten Menschen
    Durch Information und Aufklärung über Leistungen, Angebote und Leistungsansprüche sowie durch Stärkung des Austausches untereinander sollen Menschen mit Hörbehinderung und Demenz und ihre Bezugspersonen in die Lage versetzt werden, sich entsprechend ihrer individuellen Bedürfnisse Unterstützung einholen, Versorgung organisieren und Vorsorge treffen zu können.
  3. Brücke für gehörlose/hörbehinderte Menschen zu bestehenden Versorgungsstrukturen
    Durch Kenntnis der kommunikativen, kulturellen und strukturellen Bedarfe ist das DSZ Anlaufstelle für Menschen mit Hörbehinderung und Demenz und ihre Bezugspersonen, aber auch für Akteurinnen und Akteure im Gesundheitswesen. Es sensibilisiert Leistungserbringer, vermittelt den Zielgruppen Informationen zu möglichen Unterstützungsangeboten und stellt Verbindungen her. Das DSZ fungiert somit als Mittler zwischen den verschiedenen Lebenswelten von Menschen mit Hörbehinderung und dem Beratungs- und Versorgungssystem.
  4. Nachhaltige Verbessrung der Versorgungs- und Beratungsqualität für Betroffene und ihre Bezugspersonen
    Durch Sensibilisierung bestehender Versorgungsstrukturen soll eine Förderung der Handlungskompetenz von Leistungserbringern erreicht werden, um besser auf die Bedürfnisse von Menschen mit Hörbehinderung und Demenz eingehen zu können. Mit Kenntnissen von Formen der Hörbehinderung, Bedeutung der Auswirkungen von Hörbehinderung, möglichen Kommunikations- und Umgangsformen können Angebote besser auf die Zielgruppe ausgerichtet, im Folgenden die Qualität der Angebote erhöht und damit pflegende Angehörige entlastet werden. Das DSZ ist außerdem aktiv an der Entwicklung von Qualitätsstandards für die Versorgung von gehörlosen Menschen im Alter beteiligt.

Für die Umsetzung der Ziele arbeitet das Demenz-Servicezentrum landesweit mit bestehenden Angeboten, Verbänden und Netzwerken in der Hörbehinderten- und Hörenden-Arbeit sowie den Akteuren der Landesinitiative Demenz-Service NRW zusammen.

Schwerpunkte

  1. Information und Aufklärung

Für gehörlose Menschen werden Informationen rund um das Thema Demenz in Gebärdensprache angeboten. Hierbei wird unter anderem über das Krankheitsbild, Kommunikations- und Umgangsformen, Möglichkeiten der Versorgung, Leistungsansprüche sowie das Thema Vorsorge informiert. Das Angebot umfasst überregional ausgerichtete kostenlose Vorträge, Seminare, Veranstaltungen und Pflege- und Kinästhetik-Kurse in Gebärdensprache oder mit Gebärdensprachdolmetscher und je nach Anfrage vor Ort. Weiterhin werden Informationen (in Bezug auf Gebärdensprache) barrierefrei gestaltet, z.B. in Form von Gebärdensprach-Videos.

Für Menschen mit anderen Hörbehinderungen bietet das Demenz-Servicezentrum zielgruppenspezifische Angebote an. Hierzu zählen Informationsveranstaltungen mit Schriftdolmetscher und Induktionsanlage für schwerhörige/ertaubte Menschen und mit Taubblindenassistenz und taubblinde Menschen. Die Veranstaltungen sowie darüber hinaus geäußerte Bedarfe werden in Kooperation mit den entsprechenden Verbänden organisiert und bearbeitet.

Für Institutionen im Gesundheitswesen bietet das Demenz-Servicezentrum Schulungen und Seminare an, die auf die Bedürfnisse der anfragenden Institutionen angepasst werden. Dies gilt für Professionen in Ausbildung und Beruf. Das Schulungskonzept umfasst u.a. Themen wie Formen der Hörbehinderung, Gehörlosen-Kultur, verschiedene Kommunikationsformen und wird nach Bedarf und Arbeitsschwerpunkt variiert, inklusive Beispiele aus der Praxis und Übungen zur praktische Selbsterfahrung.

Für anderen Institutionen und Dienstleister, die im Kontakt mit gehörlosen/hörbehinderten Menschen stehen, werden themenspezifische Seminare angeboten, z.B. für Gebärdensprachdolmetscher in Ausbildung.

Für die Öffentlichkeitsarbeit nutzt das Demenz-Servicezentrum verschieden Medien, um über seine Angebote zu informieren. Eingebunden in die Plattform der Landesinitiative-Demenz-Service NRW werden Internetauftritt, Veranstaltungskalender und Online-Datenbank laufend aktualisiert. Zusätzlich wird ein Newsletter zielgruppenspezifisch und anlassbezogen versendet. Presseartikel werden regelmäßig in den gängigen Printmedien der Hörbehinderten-Szene veröffentlicht, weiterhin stehen Informationen in Form von Flyern zur Verfügung. Es soll außerdem die Rote Schriftreihe der Landesinitiative Demenz-Service NRW um ein themenspezifisches Heft erweitert werden.

  1. Vernetzung und Entwicklung

Das DSZ für Menschen mit Hörschädigung ist mit allen anderen Demenz-Servicezentren in NRW sowie der Informations- und Koordinierungsstelle der Landesinitiative (IKL) und dem Dialog- und Transferzentrum Demenz (DZD) vernetzt, setzt sich gemeinsam für seine Ziele ein und entwickelt Ideen für bedarfsgerechte Konzepte und Angebote sowie die praktische Umsetzung von sozialpolitischen Neuerungen für die Zielgruppe.

Das Demenz-Servicezentrum unterstützt außerdem Netzwerke in der Hörbehindertenarbeit, um bedarfsgerechte Angebote für die verschiedenen Zielgruppen zu initiieren sowie barrierefreie Informationsmaterialen zu entwickeln. Weiterhin werden Netzwerke in der Arbeit mit hörenden Menschen sowie kommunale Gesundheits- und Pflegekonferenzen für die spezifischen Bedarfe von gehörlosen/hörbehinderten Menschen sensibilisiert, in fachlichen Fragen unterstützt und dort Impulse zur spezifischen Angebotsentwicklung gesetzt. Die Mitarbeiterinnen des DSZ Anke Dieberg und Andrea Huckemeier sind aktives Mitglied im Fachausschuss Seniorenarbeit der DAFEG (Dt. Arbeitsgemeinschaft Ev. Gehörlosenseelsorge) und dem Netzwerk Demenz Essen (NDE). Anke Dieberg ist außerdem Mitglied im Berufsverband der SozialarbeiterInnen der Hörgeschädigtenarbeit (BVSH).

  1. Beratung und Vermittlung

Institutionsbezogene Beratung richtet sich an Dienstleister, die ihr bestehenden Angebot spezialisieren wollen oder aber bereits im Kontakt zu hörbehinderten Menschen stehen und Fachwissen zum Thema Demenz im Zusammenhang mit der jeweiligen Zielgruppe benötigen. Das DSZ stellt nach Bedarf Informationen zur Zielgruppe, zu kommunikativen und kulturellen Bedarfen, ihren Ressourcen und Netzwerken, vorhandenen spezifischen Angeboten und dem Themenkomplex Demenz im Zusammenhang mit der Hörbehinderung zur Verfügung.

Personenbezogene Beratung wird primär in den Fällen angeboten, in denen es keine spezifische Anlaufstelle vor Ort gibt. Hierfür können Gesprächstermine nach Absprache oder die überregional ausgerichtete Skype-Sprechstunde genutzt werden. Weiterhin können sich Beratungsstellen für Hörbehinderte in NRW an das DSZ wenden, um spezifische Fragestellungen ihrer Klienten im Zusammenhang mit Demenz zu erörtern. Dies kann telefonisch, per Mail oder einer Skype-Konferenz geschehen. In besonderen Fällen können Hausbesuche im Umkreis von Essen getätigt werden.

Bei Bedarf erfolgt eine Vermittlung zu speziell ausgerichteten Institutionen der Beratung, medizinischen Versorgung sowie der Alten- und Behindertenhilfe, zu Dolmetscherdiensten oder sonstigen zielgruppenspezifischen Angeboten. Auf Anfrage werden auch Kontakte zu benötigten Dienstleistern oder Ansprechpartnern in Bezug auf Versorgung, Entwicklung von neuen Angeboten und Netzwerkarbeit hergestellt.