Ansätze in der Betreuung und Begleitung von Menschen mit Demenz

Demenziell erkrankte Frauen

Copyright: Claudia Thoelen

Wie erreiche ich einen Menschen mit Demenz? Wie finde ich Zugang zu seiner Welt? Diese Fragen stellen sich all jene, die tagtäglich mit Menschen mit Demenz beruflich zu tun haben oder sich um einen demenzerkrankten Angehörigen kümmern.

Die Beantwortung dieser Fragen kann sehr unterschiedlich ausfallen. Dabei geht es in erster Linie darum, die Menschen nicht so sehr in ihrer Krankheit zu sehen, sondern sie vielmehr als alt gewordene Menschen mit ihren individuellen und vielfältigen Lebenserfahrungen zu betrachten. Vor dem Hintergrund dieser Lebenserfahrungen sind Handlungs- und Verhaltensweisen der dementiell erkrankten Menschen anders zu deuten und es rücken lebensgeschichtliche Zusammenhänge in den Vordergrund, auf die dann individuell eingegangen werden kann.

Demenziell erkrankte Frau
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Stellen Sie sich vor, Sie waren Ihr Leben lang eine selbstständige Frau, die ihren Haushalt und ihr Leben eigenständig organisiert und gemeistert hat. Nun, da Sie alt sind, wird Ihnen von ihren Kindern aufgrund ihrer Demenzerkrankung jeder Handgriff abgenommen, obwohl Sie vielleicht mit ein bisschen Unterstützung den Abwasch oder Ihren Einkauf noch selbst erledigen könnten. Die Anerkennung dessen, was Sie selbst leisten können (auch mit ggf. notwendiger Unterstützung) kann zum Erhalt oder der Verbesserung der Lebensqualität der Erkrankten beitragen. Denn Lebensqualität von Menschen mit Demenz fördern heißt auch, sie in ihren (verbliebenen) Fähigkeiten zu unterstützen, ihnen Wertschätzung und Akzeptanz in ihrem "So-Sein" entgegen zu bringen.

Über die letzten Jahrzehnte wurden verschiedene Ansätze für die Begleitung von Menschen mit Demenz entwickelt, die dabei unterstützen, den Menschen Orientierung und Sicherheit sowie ein positives Selbstwertgefühl auch in ihrer Demenz geben zu können.

Zu diesen Ansätzen zählen u. a.:

Grundsätzlich sind multimodale und vor allem alltagsrelevante Ansätze für Menschen mit beginnender Demenz von Bedeutung. In fortgeschritteneren Demenzstadien sind andere Behandlungsansätze gefragt, die sich eher auf die soziale und emotionale Stärkung beziehen. Eines ist aber klar: Mit Maßnahmen wie „Gehirnjogging“ lassen sich Symptome einer Demenz nicht behandeln!

Hilfen zur Kommunikation

Ein wichtiger Baustein in der Begleitung von Menschen mit Demenz ist die Kommunikation. Von Demenz Betroffene haben vielfach im Laufe Ihrer Krankheit mit Wortfindungsstörungen und anderen Störungen im Bereich des Sprechens und der Sprache zu kämpfen. Das macht es auch für Angehörige schwierig, die Wünsche und Bedürfnisse der erkrankten Menschen zu verstehen und angemessen auf ihre Äußerungen zu reagieren.

Demenziell erkrankte Frau
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Da das Thema Kommunikation in der Begleitung von Menschen mit Demenz fast jede und jeden betrifft, lohnt sich ein Blick hinter diese kommunikativen Schwierigkeiten. In der Broschürenreihe der Landesinitiative Demenz-Service ist ein Heft zum Thema erschienen, das sich sowohl an Angehörige als auch an professionelle Pflegende richtet. Es bietet seht anschaulich und auch für Laien gut verständlich praxisnahe Hilfen in der kommunikation mit Menschen mit Demenz.

Titel der Broschüre:
Hilfen zur Kommunikation bei Demenz von Jennie Powell. Demenz-Service Heft 2, Kuratorium Deutsche Altershilfe (Hrsg.), 5. Auflage 2010, Köln

Das Heft wird kostenlos - auch in größeren Stückzahlen von den Demenz-Servicezentren - abgegeben oder kann über die Koordinierungsstelle über eine Versandkostenerstattung postalisch bestellt werden. Einzelheiten dazu siehe hier.

Die Broschüre, eine Übersetzung des englischsprachigen Buches „Care to communicate“ von Jennie Powell, stellt den ungestörten Kommunikationsprozess an den Anfang. Davon ausgehend erfahren die Leserinnen und Leser, welche Auswirkungen eine Demenzerkrankung auf die Sprache und Kommunikation haben kann. Neben den oben bereits erwähnten Problemen in der Wortfindung haben Menschen mit Demenz (abhängig vom Stadium ihrer dementiellen Erkrankung) Schwierigkeiten damit einem Gespräch zu folgen oder selbst ein Gespräch zu initiieren. Häufig erzählen Personen mit Demenz immer wieder dieselben, alten Geschichten oder stellen ständig dieselben Fragen, was zu einer echten Belastungs- und Nervenprobe für das Umfeld werden kann.

Natürlich hilft es uns noch nicht lediglich die Probleme zu kennen. Die Broschüre stellt deshalb auch mögliche Reaktionsweisen vor, mit deren Hilfe die Verständigung zwischen Menschen mit Demenz und Pflegenden verbessert werden kann. Außerdem können Angehörige ihre eigene Sprechweise verändern, zum Beispiel indem kurze und einfache Sätze verwendet werden. Für Menschen mit Demenz kann damit die Verständlichkeit im Gespräch ebenfalls deutlich erhöht werden.

Damit Menschen mit Demenz nicht vergessen, wer sie sind und woher sie kommen, kann die Arbeit mit Erinnerungsalben oder Erzählungen von früher eine sinnvolle Hilfestellung sein. Auch ein strukturierter Tagesablauf trägt zu einer besseren Verständigung und weniger Missverständnissen und Unsicherheit bei den erkrankten Menschen bei. In der Broschüre werden Beispiele und Vorschläge zur Tagesgestaltung vorgestellt.