PET, Liquor, Bluttest – was bringt die verbesserte Demenz-Diagnostik?

Informations- und Koordinierungsstelle der LID NRW - am 5. Nov 2018

Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN)

Die Alzheimer-Demenz lässt sich heute bereits in frühen Phasen der Erkrankungsicher erkennen – noch bevor die Betroffenen kognitive Einschränkungen erleben.Es könnte bald sogar ein Bluttest zur Alzheimer-Frühdiagnose zur Verfügung stehen, alternativ zu den kostspieligen MRT-/PET- und invasiven Liquor-Untersuchungen“, sagte Priv.-Doz. Dr. JurajKukolja aus Wuppertal beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Berlin, der vom 30. Oktober bis 3. November 2018 im Rahmen der Neurowoche stattfindet. Wir wissen schon früh um die Alzheimer-Erkrankung, doch das hat weiterhinkeine therapeutischen Konsequenzen, da alle bisherigen Behandlungsversuche mit Antikörpern gegen die Alzheimer-typischen Ablagerungen im Gehirn gescheitert sind, berichtet der NeurologeDie Forschung hat aberbereits neue Ziele im Visier: „Tau-Proteine und entzündliche Veränderungen bieten vielversprechende Ansatzpunkte für eine kausale Therapie der Alzheimer-Demenz.“

Nur ein Bruchteil der Alzheimer-Patienten wird adäquat diagnostiziert“, sagt Juraj Kukolja, Chefarzt der Klinik für Neurologie und klinische Neurophysiologie am Helios Universitätsklinikum WuppertalMittels Biomarker-Bestimmung im Nervenwasser (Liquor) und Bildgebung mit MRT und Positronen-Emissionstomographie (PET) ist es mit hoher Empfindlichkeit und Sicherheit möglich, die Alzheimer-Erkrankung bereits im Anfangsstadium zu erkennenPersonen,die ein erhöhtes Risiko haben, in späteren Jahren an einer Alzheimer-Demenz zu erkranken,können noch im Stadium ihrer kognitiven Gesundheit identifiziert werden“, sagt Kukolja. Es ist zu erwarten, dass in den kommenden Jahren eine weniger invasive und kostengünstige Frühdiagnostik der Alzheimer-Erkrankung möglich wird“, stellt er in Aussicht. Japanische und australische Wissenschaftler haben in Kooperation einen Weg gefunden, typische Alzheimer-Veränderungen im Blut nachzuweisen, was den Weg für die Entwicklung eines breit verfügbaren Bluttests ebnet. 

Neue Ansätze für eine kausale Therapie  

Eine therapeutische Konsequenz ergibt sich aus der verbesserten Alzheimer-Diagnostik noch nicht. Die Behandlung der Symptome ist weiterhin die einzige Therapieoption. Versuche, das Fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten, sind gescheitert. „Die Studien mit Antikörpern, welche die Alzheimer-typischen Ablagerungen im Gehirn beseitigen sollten, waren erfolglos“, sagt Kukolja.

Trotzdem werde intensiv an der genaueren Charakterisierung der Alzheimer-Pathologie und an alternativen Therapiemöglichkeiten geforscht, berichtet der DGN-Experte. „Die Alzheimer-Forschung hat das Tau-Protein, welches sich im Gehirn von Alzheimer-Patienten ablagert, und entzündliche Prozesse, welche bei der Erkrankung entstehen und sie befeuern, im Fokus“, berichtet Kukolja. Derzeit laufen frühe klinische Studien mit mehreren Präparaten gegen Tau. Der Erfolg bleibe abzuwarten, so Kukolja.

Zur offiziellen Pressemitteilung der DGN mit weiteren Informationen.