Die halbe europäische Musiktradition - Rückblick auf 25 Kammerkonzerte für Menschen mit Demenz

Informations- und Koordinierungsstelle der LID NRW - am 14. Sep 2018

dementia+art

Soziale und kulturelle Teilhabe sind für Menschen mit Demenz von großer Bedeutung, weil sie durch die Erkrankung nicht mehr selbstverständlich ist. Und so nehmen immer mehr Konzerthäuser und Orchester ihre gesellschaftliche Verantwortung wahr, um Teilhabe an ihren Veranstaltungen zu ermöglichen. Bei diesem Prozess einer Öffnung für neue Besuchergruppen nimmt dementia+art durch langjährige Erfahrungen sowohl in Pflege und Betreuung als auch in Kunst, Musik und Kultur eine Rolle als Vermittler zwischen den Bereichen ein.

Das erste Konzert für Menschen mit Demenz fand am 3. Dezember 2012 statt. Die Resonanz war so erfreulich, dass viele weitere Kammerkonzerte folgten. Dabei sollten Menschen mit Demenz die klassische Musik dort erleben, wo sie das schon getan haben, bevor sie in eine Demenz hineingingen. Schon bald kamen viele Gruppen nicht nur aus Köln, sondern reisten aus der Eifel bis zum Bergischen Land an.

Das Durchschnittsalter der Betroffenen liegt bei über 80 Jahren. Ihre Demenz ist oft schon fortgeschritten. Folglich gibt es vielfach neben den kognitiven noch weitere Einschränkungen. Auch aus diesem Grund sind vor allem Pflegeeinrichtungen Netzwerkpartner.

Nach einer Reihe von Kammerkonzerten konnten nun auch bei den Happy Hour-Konzerten in der Kölner Philharmonie (19 Uhr, 60 Minuten) Menschen in einer frühen Phase ihrer Demenz einbezogen werden - vielfach Menschen, die noch in der Familie betreut werden.

Der heutige Blick zurück auf die wenigen Jahre kann Erstaunen hervorrufen: versammelte sich doch in den Konzerten des Sinfonieorchesters für Menschen mit Demenz die halbe europäische Musiktradition. Bach, Mozart, Beethoven, Händel, Corelli, Chopin, Fauré, Smetana, Sibelius, Purcell, Schubert und viele andere… Gespielt mit allem, was ein Kammerformat hergeben kann: vom Solo bis zum Sextett, Holz- oder Blechbläser, Streichinstrumente und natürlich ‚gemischt‘…

Mittlerweile haben Dutzende von Musikerinnen und Musikern teilgenommen. Einige hatten schon zuvor im privaten Umfeld Umgang mit der Krankheit. Andere nicht. Deshalb wird vor den Konzerten mit dem jeweiligen Ensemble kurz über die Bedeutung solcher Programme für Menschen mit Demenz gesprochen. Dabei steht die Erkenntnis im Vordergrund, dass, wenn die kognitiven Fähigkeiten schwinden, die Bedeutung von Emotionen als Ausdruck von Teilhabe am Leben wichtiger wird. Musik hat viele emotionalen Bezüge, ist geradezu mit ihnen getränkt und gilt deshalb als ‚Königsweg‘ zur inneren Welt von Menschen mit Demenz.

Zumeist werden zwei oder drei kleine Musikstücke gegeben, häufig Ausschnitte aus größeren Werken. Eine kurze Moderation gibt Orientierung, nennt Komponist und Titel und versucht einen Bezug zu jahreszeitlichen oder emotional geprägten Aspekten herzustellen. Dann, um eine persönlichere Verbindung zu ermöglichen, werden die Ensemble-Mitglieder vorgestellt. Unverzichtbar sind am Ende zwei oder drei Mitsinglieder. In der Regel bekannte Volkslieder, die einen jahreszeitlichen oder thematischen Bezug haben. Das jeweilige Ensemble richtet die Musikstücke für die beteiligten Instrumente ein, mit der Folge, dass auch vertraute Volkslieder einen ganz besonderen Klang bekommen.

Den vollständigen Artikel und viele weitere Informationen finden Sie unter www.dementia-und-art.de