Abschlusstagung des Projektes „Menschen mit Demenz im gesundheitlichen und pflegerischen Versorgungs- und Entlassmanagement“

Demenz-Servicezentrum Region Südwestfalen - am 25. Sep 2018

Die Abschlusstagung des Projektes „Menschen mit Demenz im gesundheitlichen und pflegerischen Versorgungs- und Entlassmanagement“ fand am 30. August in der Siegerlandhalle in Siegen statt.

Das Projekt wird seit Oktober 2015 vom Caritasverband Siegen-Wittgenstein e.V. verantwortet und endet im September diesen Jahres. Mit Projektmitteln des Kreises Siegen-Wittgenstein wurden über drei Jahre unterschiedliche Projektschritte umgesetzt. Die Einführung, Anpassung eines einheitlichen Pflegeüberleitungs­bogens im Kreis Siegen-Wittgenstein und eine Aufklärungskampagne für pflegende Angehörige - „Menschen mit Demenz im Krankenhaus“ – waren Projektmodule.

Die Ergebnisse und erstellten Broschüren aus den drei Projektjahren wurden von der Projektleitung Stefanie Kremer präsentiert. „Wir konnten durch das Projekt trotz der Einführung der neuen Vorgaben zum Entlassmanagement in den Krankenhäusern und einem geänderten Pflegebedürftigkeitsbegriff die Umsetzung und Anwendung des einheitlichen Pflegeüberleitungsbogens im Kreisgebiet erreichen und ausweiten“. So ist das Formular den Institutionen kreisweit bekannt gemacht worden, wird in allen Krankenhäusern und einem überwiegenden Teil der ambulanten Pflegedienste als Standardformular verwendet. Für die stationären Altenpflegeeinrichtungen wurde im Projektverlauf deutlich, dass der einheitliche Pflegeüberleitungsbogen nur bedingt zur Anwendung kommen konnte, da in diesem Sektor die EDV-Systeme sehr unterschiedlich sind. Um Angehörige und Betroffene auf den Krankenhausaufenthalt vorzubereiten, wurden Informationsmaterialien und Broschüren entwickelt, die Kremer vorstellte. „Die Nachhaltigkeit war uns hierbei immer wichtig. Angehörige, die morgen vor Fragen rund um das Thema Demenz im Krankenzaus stehen, haben nichts davon, wenn ich heute einen Vortrag halte“, so Kremer. Daher wurden Informationen in Broschüren zusammengestellt, die auch nach Projektlaufzeit zur Verfügung stehen.

Dr. med. Jochen Gerd Hoffmann (Chefarzt Geriatrie, Malteser Krankenhaus St. Hildegardis, Station Silvia, Köln) richtete in seinem Vortrag den Blick auf die Versorgung von Menschen mit Demenz im Krankenhaus. Aus den Erfahrungen des Leuchtturmprojektes der Station Silvia des Malteserkrankenhauses in Köln wurden Konzepte aufgezeigt, die die Versorgung von Menschen mit Demenz in einem Akutkrankenhaus positiv beeinflussen. „Menschen mit der Diagnose Demenz profitieren von demenzsensiblen Konzepten im Krankenhaus“, ist sich Dr. Hoffmann nach neun Jahren Erfahrungen mit der Station Silvia sicher. So konnten für Menschen mit der (Neben-) Diagnose Demenz auf der Station Silvia z-B. eine geringere Pflegeabhängigkeit, eine gesteigerte Mobilität und eine geringere Wahrscheinlichkeit für eine Fixierung nachgewiesen werden. Aber nicht nur auf der Station Silvia wird der wertschätzende Umgang gepflegt, der dem Patienten Sicherheit und Orientierung gibt. Das gesamte Krankenhaus mit seinen unterschiedlichen Abteilungen ist für diese Patientengruppe sensibilisiert worden.

Im Rahmen des „eat & walk“ in der Mittagszeit wurde ein deutlicher regionaler Bezug hergestellt. Die Tagungsteilnehmer*innen hatten die Möglichkeiten, mit Anbietern der Region ins Gespräch zu kommen und zu diskutieren. Hier waren unter anderem die Mitglieder der AG-Überleitung der kommunalen Konferenz Gesundheit Alter und Pflege vertreten. Die „Klammer“ bildeten die Themen Versorgungsmanagement, Entlassmanagement, Demenz und Überleitung. Vertreten waren die Sektoren:

  • Kommune, Beratungsinstitutionen
  • Krankenhäuser,
  • amb. Pflege / teilstat. Pflege sowie
  • Angehörige

Mit Stefanie Oberfeld, Oberärztin Alexianer-Krankenhaus, Münster und Demenzbeauftragte der Ärztekammer Westfalen Lippe schlug die Veranstaltung den Bogen am Nachmittag nochmals zur Ärzteschaft. Oberfeld konnte in einem kurzen Input sehr eindrücklich darstellen, „Demenz im Krankenhaus ist keine Nebensache“. Anhand eines konkreten Fallbeispiels zeigte Sie auf, dass Patienten, die z.B. mit einer Thrombose in die Klinik kommen und als Begleiterkrankung eine Demenz mitbringen, oftmals sich selbst und das System Krankenhaus vor große Herausforderungen stellen: „Auch wenn die Demenz häufig nur eine Nebendiagnose ist, ist gerade diese Diagnose oftmals die größere Herausforderung für das gesamte Team des Krankenhauses.“

Im Rahmen eines World-Cafés wurde die Thematik „Menschen mit Demenz im gesundheitlichen und pflegerischen Versorgungs- und Entlassmanagement“ in seinen vielfältigen Facetten diskutiert. Die Teilnehmer*innen aus den unterschiedlichen Sektoren kamen intensiv miteinander ins Gespräch. Die Diskussionen fanden an Thementischen statt. Die Aufgaben der Kommunen, des MDK und der Kranken-und Pflegekassen wurden in den Blick genommen. Die Herausforderungen der Zukunft durch Patienten mit Demenz in den Krankenhäusern wurden ebenso diskutiert wie die Notwendigkeit der Zusammenarbeit von ambulanten, teilstationären und stationären Pflegeeinrichtungen. Mit der Fragestellung „Angehörige die Eierlegende Wollmilchsau? Wie lassen sich die Angehörigen in die Versorgung der Menschen mit Demenz einbinden und wo gibt es Grenzen?“, wurde die Perspektive der Angehörigen diskutiert. Ganz klar wurde formuliert, dass Angehörige eingebunden werden möchten. „Gleichwohl dürfen Krankenhäuser die Verantwortung nicht an die Angehörigen abgeben“, so berichtet Brigitte Weber-Wilhelm von der Alzheimer-Gesellschaft Siegen von dem Austausch am Thementisch. Ergebnisse der Diskussionen werden im Anschluss an das Projekt von der Projektleitung an die kommunale Konferenz Gesundheit Alter und Pflege übermittelt.

Am Ende der Tagung stand für Kremer fest: „zwar läuft das Projekt im nächsten Monat aus, aber abgeschlossen ist das Thema noch lange nicht. Wir brauchen auch weiterhin Verantwortliche, die sich für die Menschen mit Demenz in der Überleitung und in den Krankenhäusern einsetzen“.

Die Tagungsdokumentation finden Sie hier

Ansprechpartnerin für weitere Fragen:

Stefanie Kremer

Eremitage 9

57234 Wilnsdorf

Tel.: 0271 234178-13