Informationen für Veranstaltende von kulturellen Angeboten

Sie möchten ein Angebot zur kulturellen Teilhabe für Menschen mit Demenz schaffen oder weiterentwickeln? Im Folgenden finden Kulturschaffende, Kulturvermittelnde und Mitarbeitende von Kulturinstitutionen sowie Tätige in der Altenhilfe oder bürgerschaftlich Engagierte Hinweise und Anregungen dazu. Sie sollen Sie bei der Umsetzung Ihrer Vorhaben unterstützen, müssen aber für jedes "demenzsensible" Kulturangebot neu durchdacht werden.

Warum Kunst- und Kulturangebote für Menschen mit Demenz?

Es gibt eine Vielzahl von Gründen, warum kulturelle Teilhabe und künstlerische Angebote für Menschen mit Demenz ein Gewinn sind:

Kunst und Kultur ermöglichen

  • Begegnung auf Augenhöhe, denn in der Kunst gibt es kein Richtig oder Falsch,
  • Kommunikation und Interaktion über emotional-sinnliche Kanäle und nicht über die Kognition,
  • Kompetenz-Erleben, denn es kann an vorhandene Potenziale und frühere Interessen und Fähigkeiten angeknüpft und Neues ausprobiert werden,
  • Identitätsstiftung, denn über künstlerische Mittel und Methoden können wir uns mit unserer Lebenssituation auseinandersetzen und uns der eigenen Identität vergewissern,
  • Augenblicksfreuden und Sinnstiftung in Gemeinschaft mit anderen,
  • soziale Einbindung und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

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Welche allgemeinen Voraussetzungen sollten gegeben sein?
  • Es ist eine dem Menschen mit Demenz vertraute Begleitperson anwesend, die Orientierung gibt, über den Ablauf informiert ist und eine persönliche Betreuung der Person mit Demenz gewährleistet.
  • Die Ansprache orientiert sich an den Möglichkeiten von Menschen mit Demenz.
  • Stellen Sie sich darauf ein, dass die Tagesform des Menschen mit Demenz über die Teilnahme entscheidet.
  • Zur Gestaltung und Durchführung eines Kulturangebots für Menschen mit Demenz ist eine enge Kooperation von Partnern im Kultur- und Demenzbereich unerlässlich. Auf die Expertise aus beiden Bereichen sind Sie bei der praktischen Umsetzung angewiesen.

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Was ist bei der inhaltlichen Planung zu beachten?

In der Themenwahl eines Kulturangebotes für Menschen mit Demenz ist der Biografiebezug sehr bedeutend, z.B. bekannte Melodien oder bekannt Klingendes oder Kunstwerke, die Bezüge zum eigenen Leben zulassen. Hierdurch wird das Langzeitgedächtnis angesprochen und es können zum Teil verborgene Fähigkeiten und Fertigkeiten wieder zu Tage treten. Das emotionale Gedächtnis wird aktiviert.

Folgende Faktoren tragen besonders zum Kulturgenuss bei:

  • Das künstlerisch-kulturelle Angebot ist qualitätsvoll und virtuos.
  • Das kulturelle Ereignis ist inhaltlich und zeitlich auf die Bedürfnisse der Teilnehmenden abgestimmt.
  • Die Betroffenen können der Darbietung akustisch und visuell gut folgen.
  • Es herrscht Ruhe im Ablauf und eine freundliche Atmosphäre.
  • Es erfolgt eine persönliche Ansprache in einer einfachen, verständlichen und kurz gehaltenen Sprache ohne Schachtelsätze.
  • Schnelle Themenwechsel und Assoziationsketten werden vermieden.
  • Inhalte werden klar, kurz und eindeutig vermittelt.
  • Die Teilnehmenden werden über die Sinne angesprochen.
  • Es gibt Raum und Zeit für Nachfragen.
  • Lassen Sie die Kunst wirken! 

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Welche Veranstaltungszeiten eignen sich?

Der Veranstaltungsbeginn und die Veranstaltungslänge sollten auf die Bedürfnisse Ihres Publikums abgestimmt sein. Idealerweise sollte das Kulturangebot zu einer Zeit stattfinden, die mit dem Tagesablauf in Pflegeeinrichtungen, aber auch mit dem häuslichen Pflegealltag kompatibel ist:

  • Ideal sind der Vormittag (z. B. 10:30 Uhr), Nachmittag (z. B. 15:00 Uhr) oder der frühe Abend
  • Die Veranstaltung sollte i.d.R. nicht länger als 60 Minuten dauern.
  • Nutzen Sie die Erfahrung Ihrer Kooperationspartner!

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Wie erreicht man die Zielgruppe und findet ein Publikum?

Gestalten Sie eine ansprechende Bekanntmachung für ihr Angebot und wählen Sie eine positive ressourcenorientierte Ansprache in Text und Bildern.

In der Bekanntmachung sollte unbedingt eine Kontaktperson genannt sein, die mittels Telefonnummer und E-Mail Adresse kontaktiert werden kann.

Für die Form einer Bekanntmachung haben Sie vielfältige Möglichkeiten, wie:

  • Pressetexte
  • Flyer
  • Handzettel
  • Postkarten
  • Gemeindebriefe, Gemeinde Newsletter, Gemeindeschreiben
  • DIN A4 Plakate
  • Internetauftritte (Homepages, soziale Medien wie Facebook etc.)

Nutzen Sie für die Ansprache von Menschen mit Demenz, die Zuhause leben:

  • Bisherige Besucher/ das aktuelle Publikum und ihre Wegbegleiter (Mund-zu-Mundpropaganda)
  • Kirchengemeinden (z. B. über Meldungen u.a. in Gemeindebriefen, über Ehrenamtliche in Kirchengemeinden)
  • (Kultur-)Vereine und Initiativen (z. B. über Mitglieder oder auch mitwirkende Ehrenamtliche, z. B. auch in Sportvereinen)
  • Service Clubs (wie z. B. Rotary Club, Lions Club)
  • Alltagsbegleiter/ Betreuer, z.B. in niedrigschwelligen Hilfe- und Betreuungsangeboten
  • Fachkräfte aus dem Behindertenbereich (als lokale Expert/innen für Inklusion) 
  • Lokale Dienstleister (z. B. Supermärkte, Frisöre, Einzelhandelsgeschäfte, Restaurants,  Schornsteinfeger) 
  • Beratungsstellen (Pflegeberatung, Wohnberatung… etc.) 
  • Geriatrische Institutsambulanzen/geriatrische Einrichtungen (Memory Kliniken)
  • Sozialdienste im Krankenhaus
  • Fachberater für Demenz in Arztpraxen

Wenn Sie insbesondere Menschen ansprechen wollen, die in stationären Wohn- und Pflegeeinrichtungen leben, nutzen Sie:

  • Ihre Kooperationspartner aus dem Demenzbereich
  • Pflegeeinrichtungen und betreute Wohngruppen
  • Tagespflegeangebote & Betreuungsgruppen
  • Anbieter niedrigschwelliger Hilfe- und Betreuungsangebote  (Adressen im Angebotsverzeichnis der Landesinitiative Demenz Service NRW)

    Werden Sie sichtbar bei besonderen Aktionen und Veranstaltungen:

    • Beiträge, Infotische auf regionalen Veranstaltungen
    • „story telling“ und entsprechende Beiträge in der Lokalpresse (deshalb ist es immer gut, den Kontakt zu Mitarbeitenden  in der Presse zu pflegen)
    • Flashmops, z. B. in Fußgängerzonen und entsprechende Pressberichte darüber.

    Tragen Sie sich ein in das Online-Anbieterverzeichnis der Landesinitiative „Kulturangebote für Menschen mit Demenz“

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    Warum ist die Möglichkeit zur persönlichen Information und Anmeldung so wichtig?

    Ermöglichen Sie eine persönliche Kartenreservierung bei einer Ansprechperson, die in allen Informationsmedien namentlich genannt ist. Interessenten haben so die Möglichkeit, wichtige Fragen im Vorfeld zu klären. Als Veranstaltende in können Sie mögliche Interessenten zu einer Teilnahme ermutigen. Gleichzeitig können Sie planungsrelevante Informationen einholen:

    • Bei Gruppenanmeldungen erhalten Sie wichtige Informationen zur Gruppengröße, Anzahl der Rollstühle, Ankunftszeit des Fahrdiensts, Anzahl des begleitenden Pflegepersonals.
    • Sie können Fragen der Angehörigen und Einrichtungen, z. B. hinsichtlich der Sicherheit, der Anreise, evtl. Ausschlusskriterien für die Teilnahme direkt beantworten.
    • Sie können erfragen, ob Ihre Besucherinnen und Besucher Rollstühle oder Rollatoren mitbringen werden und dies dementsprechend bei der Vorbereitung des Veranstaltungsraums berücksichtigen.
    • Sie haben Kenntnis über die genaue Teilnehmerzahl und können Überbuchungen vermeiden, denn eine überfüllte Veranstaltung erzeugt Stress bei allen Beteiligten.
    • Zuhause lebende Angehörige melden sich öfters kurzfristig ab (z. B. mit Hinweis auf eine schlechte Tagesform, Erschöpfung der pflegenden Angehörigen). Stationäre Einrichtungen können bei Absagen evtl. andere Personen mitbringen.

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    Woran sollten Sie bei der Planung eines Angebots denken?

    Eine sorgfältige logistische Planung ist der Erfolgsfaktor für Ihre Veranstaltung. Beziehen Sie alle Beteiligten in Ihre Vorbereitungen ein, indem Sie sie regelmäßig über Ihr Vorhaben informieren. Besonders das künstlerische Personal und Aufsichtspersonal muss wissen, dass Menschen mit Demenz im Publikum sind, die u.U. emotional oder unruhig reagieren können. Auch die Leitungsebene und das Marketing sollten informiert sein.

    Beachten Sie bei der Auswahl des Veranstaltungsortes

    • die Größe: Der Veranstaltungsort sollte geräumig, aber nicht unübersichtlich sein,
    • die Anzahl der Plätze: Zu große Veranstaltungen könnten Stress auslösen,
    • die Erreichbarkeit mit ÖPNV,
    • möglichst nahe Anfahrts- und Parkmöglichkeit zum Veranstaltungsort,
    • barrierefreie Zugänge und breite Türen,
    • vorhandene Stolperfallen wie Stufen oder steile Rampen,
    • kurze Wege innerhalb des Veranstaltungshauses, nahe gelegene behindertengerechte Toiletten und Garderoben,
    • ausreichend Sitzmöglichkeiten vor Veranstaltungsbeginn, idealerweise Rückzugsmöglichkeiten an einem ruhigen Ort,
    • eine übersichtliche Situation an der Garderobe,
    • die Möglichkeit, nicht-alkoholischen Getränken in kleinen Mengen bereitzustellen oder zum Verkauf anzubieten,
    • Platz zum Abstellen von Rollatoren (für ihre Eigentümer z. B. durch vorbereitete Klebezettel kenntlich machen).

     Sollte Ihre Veranstaltung an einem Ort stattfindet, der eine flexible Bestuhlung zulässt, denken Sie daran:

    • Ausreichend breite Gänge zwischen den Stuhlreihen (viele möchten außen sitzen, ihnen fällt das Aufstehen, Erreichen freier Plätze und Verlassen des Saales während einer Veranstaltung schwer),
    • Einen Bereich des Saals unbestuhlt lassen (für Rollstühle),
    • Zusätzliche Stühle für die Begleitung der Personen mit Rollstuhl bereitzuhalten.

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    Wie kann das Servicepersonal der Kultureinrichtung Sie unterstützen?

    Das Servicepersonal am Veranstaltungsort hilft Ihnen mit seiner genauen Ortskenntnis und Problemlösungskompetenz bei organisatorischen Problemen! Planen Sie genügend Servicepersonal ein, damit keine Hektik entsteht und vor allem bei Ankunft und Abreise flexibel auf unvorhergesehene Situationen reagiert werden kann.

    Das Personal sollte vorab gut informiert sein und hilft Ihnen

    • die Besucherinnen und Besucher willkommen zu heißen / zu verabschieden,
    • den Weg zu Garderoben, Toiletten, Veranstaltungssaal und vor allem einen Sitzplatz anzuweisen,
    • Plätze für Rollstühle und Rollatoren anzuweisen,
    • bei allen organisatorischen Fragen zur Verfügung zu stehen.

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    Was sollte während der Veranstaltung beachtet werden?
    • Schaffen Sie eine einladende Atmosphäre, in der sich Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen willkommen fühlen und keinen Anpassungsdruck verspüren.
    • Bieten Sie an, dass Ihre Besucherinnen und Besucher zum Platz begleitet werden.
    • Suchen Sie die Unterstützung der begleitenden Mitarbeitende aus den Pflegeeinrichtungen. Sie sind routiniert und vermitteln Sicherheit im Umgang mit der für die Betroffenen nicht alltäglichen Situation.
    • Verzichten Sie auf längere Vorreden und Danksagungen und wählen Sie eine knappe, akustisch und intellektuell gut verständliche Moderation bzw. Ansprache.
    • Sollten Sie einen begleiteten Besuch einer regulären Kulturveranstaltung organisieren, können Sie durch die gezielte Platzierung Ihrer Gäste einen „geschützten Rahmen“ schaffen. Dort stört ein „unangepasstes Verhalten“ weniger und die Betroffenen können auf Wunsch gut die Veranstaltung verlassen. Dies ist auch für die Angehörigen entlastend.

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    Welche Aufgaben haben Sie als Kulturbegleitung?
    • Schaffen Sie neue Begegnungsräume in der Kultur.
    • Ermöglichen Sie den Betroffenen das Erleben von Kompetenzen
    • Motivieren und aktivieren Sie die Betroffenen durch künstlerische Mittel und Methoden.
    • Stimmen Sie Ihre Aktivitäten auf Ihre Gäste individuell ab und stellen Sie Bezüge zu ihrer Lebenswelt und Biografie her.
    • Sorgen Sie für eine anregende Umgebung und günstige Rahmenbedingungen.
    • Kooperieren Sie mit anderen Berufs- und Bezugsgruppen, denn Sie sind auf deren Expertise angewiesen.

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    Wo können Sie sich qualifizieren?
    • Wenden Sie sich an das Demenz-Servicezentrum in Ihrer Nähe. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter informieren Sie gerne.
    • Jochen Schmauck-Langer von dementia & art bietet praxisorientierte Inhouse-Schulungen zu Museumsbesuchen und Kulturbegleitung für Menschen mit Demenz: www.dementia-und-art.de
    • Die Konzertvermittlerin Elisabeth von Leliwa bietet auf Anfrage Schulungen zur Konzertbegleitung:
      www.von-leliwa.com
    • Sybille Kastner vom LehmbruckMuseum, Duisburg. www.lehmbruckmuseum.de
    • Das Kompetenzzentrum für Kultur und Bildung im Alter (kubia) bietet in der Seminarreihe kulturkompetenz+ regelmäßig Tagesseminare zur künstlerisch-kulturellen Arbeit mit Menschen mit Demenz in ganz Nordrhein-Westfalen an: www.ibk-kubia.de/qualifizierung

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