Jahrestagung 2018 der Landesinitiative Demenz-Service NRW

Demenz 2030 - Wie wollen wir leben?

Die Jahrestagung der Landesinitiative Demenz-Service NRW fand am 21. November 2018 von 09:30 bis 16:00 Uhr in der Historischen Stadthalle Wuppertal statt.

Demenz 2030 - Wie wollen wir leben?

Seit 14 Jahren arbeitet die Landesinitiative Demenz-Service NRW daran, die Lebenssituation von Menschen mit Demenz und pflegenden Angehörigen in Nordrhein-Westfalen zu verbessern. Inzwischen wurde viel erreicht. Demenz ist – obwohl die Erkrankung immer noch in hohem Maße angst- und schambesetzt ist – in der öffentlichen Wahrnehmung angekommen und auch die Berücksichtigung von Demenzerkrankungen in der Pflegeversicherung ist erheblich verbessert worden. Dennoch fehlt es nach wie vor vielerorts an Angeboten und vernetzten Versorgungsstrukturen, die den besonderen Bedarfen von Menschen mit Demenz und pflegenden Angehörigen jetzt und in Zukunft gerecht werden können. Damit stellt sich die Frage nach Gestaltungsoptionen in der Unterstützung und Begleitung von Menschen mit Demenz und pflegender Angehöriger – und die Frage, wie sie in Kooperation mit der Zivilgesellschaft in Zeiten des demografischen Wandels kleinräumig zum unmittelbaren Nutzen der Menschen umgesetzt werden können.

Im Herbst 2018 wurden in den fünf Regierungsbezirken Nordrhein-Westfalens in einem offenen Dialog zwischen Verantwortlichen im Land NRW sowie in den Städten, Kreisen und Gemeinden, Demenzexpertinnen und -experten, Leistungsanbietern und Bürgerinnen und Bürgern Impulse zur Weiterentwicklung gegeben und gemeinsam Möglichkeiten und Erfordernisse der Unterstützung und Begleitung der verschiedenen Gebietskörperschaften entwickelt. Beispielhafte Fragen, die verschiedene Ebenen mit einbeziehen sind:

  • Wie wollen wir leben, wenn wir an einer Demenz erkranken?
  • Wie wollen wir mit unseren Angehörigen und Freunden zusammenleben, wenn diese an Demenz erkranken?
  • Wie wollen wir auf einer professionellen Ebene mit Menschen mit Demenz arbeiten?
  • Welche gesellschaftlichen Anforderungen an den Umgang mit Menschen mit Demenz werden wir in der Zukunft erfüllen können und welche Herausforderungen sind damit verbunden?

Die Jahrestagung der Landesinitiative fasst die Ergebnisse dieser Veranstaltungsreihe zusammen und führt den Dialog im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit Vertreterinnen und Vertretern des Landes sowie der Landesverbände der Pflegekassen fort. Drei Fachvorträge konkretisieren unseren gemeinsamen Blick in die Zukunft und zeigen konkrete Handlungsmöglichkeiten auf.
In einer zweistündigen Themenwanderung am Nachmittag besteht die Möglichkeit, in verschiedenen Themenräumen mit einer Vielzahl von Akteuren und Engagierten ins Gespräch zu kommen, sich auszutauschen, sich zu informieren und nicht zuletzt konkrete Vereinbarungen zur Zusammenarbeit zu schließen.

Themenwanderung

Die Themenwanderung bietet die Möglichkeit, sich über Arbeitsansätze, Projekte und zukunftsweisende Ideen in der Unterstützung, Begleitung und Förderung von Menschen mit Demenz und ihrer Familien zu informieren und auszutauschen. Es können sieben Themenräume mit unterschiedlichen Schwerpunkten besucht und „erwandert“ werden. Sie halten kleine Events, Präsentationen, Ausstellungen, Diskussionsrunden, Infotische und vieles mehr für Sie bereit. Folgende Themenräume werden angeboten:

Netzwerk und Quartier

Menschen möchten selbstbestimmt und zuhause leben auch mit einer demenziellen Erkrankung. Damit dies gelingen kann, müssen wir unser Lebensumfeld und unsere Quartiere entsprechend gestalten. Notwendig ist eine nachhaltige kleinräumige Vernetzung der Akteurinnen und Akteure, durch die die Situation von Menschen mit Demenz und pflegenden Angehörigen erheblich verbessert werden kann. Im Themenraum Netzwerk- und Quartiersarbeit zeigen wir anhand von Praxisbeispielen, Checklisten und Leitfäden lebensnah, welchen Beitrag Netzwerk- und Quartiersarbeit leisten und wie diese gelingen kann. Gemeinsam mit dem Sprecher der Landesverbände der Pflegekassen informieren und beraten wir außerdem zu konkreten finanziellen Fördermöglichkeiten von Netzwerken.

Prävention und Bewegung

Angesichts steigender Erkrankungszahlen gewinnt die Frage nach der Prävention von Demenzerkrankungen an Bedeutung. Wissenschaftliche Ergebnisse zeigen, dass bei bestimmten Verhaltensweisen und Lebensumständen Demenzerkrankungen seltener auftreten. Sie mindern das Risiko, an einer Demenz zu erkranken. Entsprechend wird in der Präventionsforschung zur Vorbeugung ein multimodaler Ansatz favorisiert. Er besteht aus kognitivem Training, Bewegungsprogrammen, mediterraner Ernährung und einer systematischen Überwachung vaskulärer Risikofaktoren, wie z.B. Bluthochdruck und Diabetes Mellitus, sowie der Förderung von sozialer Interaktion und Unterstützung. Der Bewegungsförderung wird innerhalb dieses Ansatzes eine besonders große Bedeutung zugeschrieben. „Sport & Bewegung“ sind in der Lage, die anderen Bereiche positiv zu verstärken: „Bewegung ist nicht alles, aber ohne Bewegung ist alles nichts“. Diese Zusammenhänge und aktuellen Ergebnisse der Präventionsforschung wollen wir im Themenraum „Prävention & Bewegung“ darstellen und mit Ihnen diskutieren und uns natürlich mit Ihnen bewegen.

Demenz und kulturelle Teilhabe

Jeder Mensch, auch Menschen mit Demenz, haben kreative Potenziale und Anspruch auf kulturelle Teilhabe. Sie kann Menschen mit Demenz und pflegenden Angehörigen große Freude bereiten und über die Emotion und gemeinsame Betätigung die Kommunikation und den für sie so wichtigen menschlichen Kontakt erleichtern. Dennoch sind kulturelle Teilhabemöglichkeiten noch keine Selbstverständlichkeit. Das Netzwerk „Demenz und Kulturelle Teilhabe“ setzt sich für bessere Zugangsmöglichkeiten für Menschen mit Demenz und pflegende Angehörige und insgesamt mehr kulturelle Angebote ein. Die Themenwanderung bietet die Chance, einen Einblick in die inzwischen doch recht vielfältigen Kulturangebote in NRW zu gewinnen und mit den Anbietern und Akteuren in einen informativen, aber auch kreativen Austausch „zum Nachmachen“ zu treten.

Menschen in der frühen Phase der Demenz

Menschen im frühen Stadium der Demenz äußern immer häufiger ihre Bedürfnisse und tragen ihre Anliegen in der Öffentlichkeit laut vor. Sie möchten ernst genommen und als Mensch wahrgenommen werden, sie möchten ihr Recht auf Selbstbestimmung nicht verlieren und Selbsthilfe für sich in Anspruch nehmen. Die Diagnose Demenz beeinflusst sowohl die Beziehung, als auch die Partnerschaft und die Familie. Nicht die Pflegebedürftigkeit steht im Mittelpunkt, sondern wie mit der Erkrankung weiterhin der Beruf ausgeübt, Auto gefahren, Hobbys nachgegangen und am gesellschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben teilgenommen werden kann.

Beratung und Unterstützung

Die Begleitung eines Menschen mit Demenz und seine Unterstützung im Alltag kann wesentlich erleichtert werden, wenn Betroffene und pflegende Angehörige sowie Menschen, die in ehrenamtlichen und professionellen Zusammenhängen eine Unterstützung anbieten, über die spezifischen Bedarfslagen und Herausforderungen eines Lebens mit Demenz sowie geeignete Unterstützungsangebote informiert sind. In diesem Themenraum können Sie sich über Beratungsangebote in NRW sowie Unterstützungsangebote im Alltag informieren und mit den Anbietern dieser Angebote – unter anderem mit den für Unterstützungsangebote im Alltag zuständigen Vertreterinnen und Vertretern des Landes NRW – in einen direkten Austausch treten.

Demenz und Behinderung

Lebenswelten von Menschen mit Behinderungen, psychischen Erkrankungen und/oder Suchterkrankungen sind durch Stigmatisierungen geprägt. Kommen im späteren Verlauf demenzielle Beeinträchtigungen hinzu, müssen sich die Betroffenen und diejenigen, die sie begleiten, zusätzlichen Herausforderungen stellen. Die Folgen des Älterwerdens betreffen auch Menschen mit geistigen Behinderungen. Hier gibt es zunehmend mehr Erkenntnisse zur Diagnostik, zu Kommunikationsstrategien, zur Alltagsbegleitung und Milieu- und Umweltgestaltung, sowie zur Angehörigenarbeit und zu Konzepten für Fort- und Weiterbildungsangebote. Darüber hinaus werden Erkenntnisse zusammengestellt, wie sich demenzielle Verläufe bei Schizophrenie, Autismus und abhängig Erkrankten, wie bei der Alkoholerkrankung darstellen. Es geht insgesamt darum, wie eine multidisziplinäre Unterstützung von Menschen mit Behinderungen gestaltet werden kann.