Wie und von wem wird die Diagnose gestellt?

Bei Verdacht auf eine Demenzerkrankung ist es wichtig, eine diagnostische Abklärung vorzunehmen. Dabei sollte man wissen, dass kognitive Symptome nur in 50 % der Fälle tatsächlich auf eine Demenzerkrankung zurückzuführen sind. Wissenschaftliche Studien haben nämlich gezeigt, dass häufig auch andere Krankheiten dafür verantwortlich sind, z. B. ein Delir, Flüssigkeitsmangel, Depressionen und anderes. Verzichtet man auf eine diagnostische Abklärung der Symptome, werden möglicherweise Chancen auf eine Therapie vergeben.

Demenziell erkrankte Frau
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Sollte es sich tatsächlich um eine Demenzerkrankung handeln, bestehen zumindest zu Beginn der Erkrankung gewisse Chancen, den Verlauf der Erkrankung positiv zu beeinflussen. Darüber hinaus ist die Diagnose Demenz für die Betroffenen und die Familien Anlass, sich mit der Demenzerkrankung und der Frage, wie es denn nun weitergehen soll, zu beschäftigen.

Aus diesen Gründen ist es außerordentlich wichtig, bei länger anhaltenden und zunehmenden kognitiven Symptomen, ärztlichen Rat einzuholen.

Die Diagnoseerstellung erfordert neben einer gründlichen körperlichen und psychiatrisch-neurologischen Untersuchung eine ausführliche Erhebung der Vorgeschichte. Leider werden Symptome einer Demenzerkrankung ärztlicherseits oft gar nicht oder zu spät erkannt, da im Rahmen eines kurzen Gespräches ein Mensch mit einer beginnenden Demenz sehr kompetent erscheinen kann. Hier sind insbesondere die Angaben von Angehörigen hilfreich und wichtig, um eine adäquate Behandlung zu ermöglichen.

In der Regel werden bei Verdacht auf eine Gedächtnisstörung verschiedene Testungen durchgeführt. Am häufigsten werden der sogenannte Mini-Mental-Status-Test und der DemTect als neuropsychologische Untersuchung angewendet, die in kurzer Zeit durchgeführt und ausgewertet werden können. Wichtig bei der Diagnose ist die Abgrenzung zu einer Depression oder anderen psychischen Erkrankungen.

Bestätigt sich der Verdacht auf eine Demenz, erfolgt eine weitere Abklärung mit dem Ziel, die verschiedenen Demenzformen abgrenzen zu können, um eine möglichst optimale Behandlung zu gewährleisten. Hierzu werden Blutuntersuchungen und bildgebende Verfahren des Gehirns benötigt. Zur Diagnosesicherung kann auch eine Nervenwasseruntersuchung und Ableitung der Hirnströme (EEG) notwendig sein.

Kontaktadressen finden Sie im örtlichen Telefonbuch. Neben der Datenbank der Landesinitiative Demenz-Service können Sie auch in verschiedenen Suchmaschinen im Internet recherchieren. Wir haben hier einige dieser Informationsquellen zusammengestellt.

Die Kostenübernahme der diagnostischen Untersuchung erfolgt durch die jeweilige Krankenkasse.


Abgrenzung Demenz und Delir

Dement oder delirant? Diese Frage stellt sich häufig bei älteren Menschen, die eine Zeit im Krankenhaus verbringen müssen, eine Operation hinter sich haben oder anderweitige Veränderungen ihrer Umgebung durchleben. Aber auch die unterschiedlichsten Erkrankungen, z. B. Leber- oder Niereninsuffizienz, Infektionen, hier vor allem Harnwegs- und bronchopulmonale Infekte, Hirnerkrankungen wie Verletzungen, Entzündungen und Anfallsleiden können akute Verwirrheitszustände auslösen. Eine Entgleisung des Wasser- und Elektrolythaushalts kann ebenfalls zu einem Delir führen. Und nicht zuletzt kann ein Delir als unerwünschte Arzneimittelwirkung auftreten, z. B. bei Digitalispräparaten zur Steigerung der Herzfunktion. Das Delir als akuter Verwirrtheitszustand kann prinzipiell in jedem Lebensalter auftreten, betrifft jedoch überwiegend über 60-Jährige. Schätzungsweise rund 40 % aller Krankenhauspatient(inn)en durchleben einen solchen Verwirrtheitszustand.
Ein Delir zeichnet sich durch vier sogenannte Kernmerkmale aus:
•    Bewusstseinsstörung
•    Denkstörung (Kognition)
•    Rascher Beginn / fluktuierender Verlauf
•    Externe Verursachung
Ein Delir kann wenige Stunden bis mehrere Tage (in Ausnahmefällen Wochen oder einige Monate) andauern. Als erste Anzeichen der Ausbildung eines Delirs sind vermehrte Unruhezustände, Ängstlichkeit und Reizbarkeit oder Teilnahmslosigkeit beschrieben worden. Oftmals treten Schlafstörungen mit Rhythmus-Umkehrung oder Albträumen auf. Im weiteren Verlauf zeigen Patient(inn)en mit einem Delir reduzierte Wahrnehmung von Umgebungsreizen, Denkstörungen und Einschränkungen des Urteilsvermögens. Die Betroffenen sind außerdem desorientiert; teilweise treten auch Aussprachestörungen auf.
Häufig wird ein Delir mit dementiellen Symptomen verwechselt, sodass keine gezielte Behandlung erfolgt. Für Betroffene kann dies fatale Folgen haben, da ein Delir grundsätzlich reversibel ist. Werden die erforderlichen Maßnahmen wegen Verkennung der Situation jedoch nicht eingeleitet, können sich aus dem Delir ein Gedächtnisverlust und Einbußen im Denkvermögen oder sogar eine Demenz manifestieren.
Häufig entwickelt sich ein Delir aufgrund vorheriger kognitiver Einbußen (Vorläufer einer Demenz), dann überlagert das Delir die dementiellen Symptome.  Bei solchen Mischformen können Angehörige eine wichtige Informationsquelle zum kognitiven Status vor der akuten Situation sein.

Abgrenzung zwischen Demenz und Depression

Depressionen zählen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen im Alter. Dabei handelt es sich nicht um eine von Tagesschwankungen abhängige vorübergehende Niedergeschlagenheit, sondern um eine ernsthafte Erkrankung, die mit Niedergeschlagenheit, Antriebs- und Interesselosigkeit und mangelndem Selbstvertrauen einhergeht. Daneben können auch körperliche Beschwerden wie z. B. Schlafstörungen, Herzbeschwerden, Appetitlosigkeit sowie Kopf- und Rückenschmerzen auftreten. Bei älteren Patienten zeigen sich außerdem häufig kognitive Defizite, was eine Abgrenzung zur Demenz vielfach erschwert.
Wie unterscheiden sich Demenz und Depression voneinander?
Zunächst kann der Beginn der Erkrankung Hinweise liefern: Während eine Demenz schleichend beginnt, kann für eine Depression häufig ein fester Zeitpunkt benannt werden. Bei Menschen mit Demenz geht die Tendenz eher dahin, Symptome zu bagatellisieren oder zu vertuschen, wohingegen Menschen mit Depression über Gedächtnisstörungen und den Verlust von Erinnerungen klagen. Zusätzlich liefert eine frühere depressive Episode Hinweise darauf, dass es sich um eine Depression handelt.
Trotz dieser Anhaltspunkte fällt es auch erfahrenen Ärzten nicht leicht, Demenzen und Depressionen voneinander zu unterscheiden. Denn zwischen beiden Erkrankungen können Komorbiditäten bestehen (z. B. Demenzsyndrom bei Depression). Ob ursächlich eine Demenzerkrankung für die Ausbildung einer Depression verantwortlich ist oder umgekehrt eine Depression demenzähnliche Symptome beinhaltet, ist häufig nicht klar diagnostizierbar. Aus diesem Grund wird eine Behandlung dann zweigleisig durchgeführt, also sowohl antidementive als auch antidepressive Medikamente eingesetzt.
Trotz der bestehenden Behandlungsmöglichkeiten werden Depressionen bei älteren Menschen mit und ohne Demenz oft nicht erkannt.