Demenz ist nicht gleich Demenz

Auch wenn die Zeichen einer Demenz sich oft ähneln, werden sie durch ganz unterschiedliche Erkrankungen der Nervenzellen oder durch bestimmte Stoffwechselbedingungen verursacht. Erschwerend kommt hinzu, dass nicht selten auch Mischformen aus verschiedenen Demenzformen auftreten können, die die genaue Zuordnung erschweren.

Zu den häufigsten Demenz-Erkrankungen gehören:
1.    Alzheimer Demenz
2.    Lewy-Körperchen-Demenz
3.    Vaskuläre Demenz
4.    Frontotemporale Demenz


Alzheimer-Demenz:
Die Demenz vom Alzheimer-Typ (DAT) ist die häufigste Form, sie macht schätzungsweise rund 70 % aller Demenzerkrankungen aus. Bei der Alzheimer-Demenz ist der Nervenbotenstoff Acetylcholin im Gehirn stark vermindert. Dies führt zu einer Störung der Informationsweiterleitung zwischen den Nervenzellen.

Der Forscher Alois Alzheimer entdeckte als Erster Veränderungen im Gehirngewebe,. So lagern sich bestimmte Eiweiße, die sogenannten Amyloid-Plaques sowie fadenförmige Zellbestandteile, auch Neurofibrillenbündel genannt, im Gehirn ab.

Die Folge: Menschen, die an Alzheimer erkrankt sind, haben vor allem Probleme mit dem Gedächtnis und bei der Orientierung. Es fällt ihnen immer schwerer den Alltag zu bewältigen, da sie mehr Schwierigkeiten beim logischen Denken haben. Auch die Fähigkeit, sich ein sinnvolles Urteil über einen Sachverhalt oder eine Situation zu bilden, geht bei ihnen verloren. Damit sind die Betroffenen auf Hilfe und Unterstützung angewiesen. Im späten Stadium erkennen Menschen mit Alzheimer-Demenz häufig selbst ihre engsten Angehörigen nicht mehr.

Für Menschen, die an einer Demenz erkrankt sind, ist es wichtig, Wertschätzung zu erfahren. Häufig verbinden Menschen, die an Alzheimer erkrankt sind, mit Erinnerungen an Ereignisse und Personen aus ihrer früheren Lebensgeschichte angenehme Gedanken  und ein Gefühl von Sicherheit, denn diese Erinnerungen sind häufig noch gut erhalten. Mit Biografie-orientierten Ansätzen und einem wertschätzenden Verhalten im Umgang mit Menschen mit Demenz kann die Lebensqualität der Betroffenen unterstützt und gefördert werden.
Lewy-Körperchen-Demenz:
Die Lewy-Körperchen-Demenz ist nach der Alzheimer-Erkrankung die zweithäufigste Demenzform im Alter: Sie macht bis zu 20 % aller Demenzformen aus. Die Nervenzellen vor allem in der Großhirnrinde und im Hirnstamm werden bei dieser Demenzerkrankung zerstört. Dabei ist vor allem die Bildung des Nervenbotenstoffs Dopamin verringert – ähnlich wie bei der Parkinson-Erkrankung.

Der Nervenarzt und Forscher Friedrich Lewy beschrieb erstmalig die Krankheitssymptome. Er entdeckte auch für diese Erkrankung typischen Ablagerungen in den Nervenzellen, die sogenannten Lewy-Körperchen.

Die Betroffenen leiden häufig schon in der frühen Phase unter optischen Halluzinationen, die sehr detailreich sind und häufig wiederkehren. Erkrankte haben zudem sehr starke Schwankungen in ihrer Aufmerksamkeit und ihrem Konzentrationsvermögen. Diese können je nach Tagesform sehr unterschiedlich ausfallen. Auch andere Parkinson-ähnliche Symptome wie eine erhöhte Muskelspannung und –steifigkeit, unwillkürliches Zittern der Hände in Ruhe oder auch sehr langsame Bewegungen allgemein können auftreten.

Vaskuläre Demenz:
Diese Demenzform macht ungefähr einen Anteil von 10 bis 15 % aller Demenzerkrankungen aus. Von einer vaskulären Demenz (von „vasculum“, lateinisch: kleines Gefäß) spricht man dann, wenn das Gehirn zu wenig durchblutet wurde und die Nervenzellen kurzzeitig oder über eine längere Zeit hindurch mit zu wenig Sauerstoff versorgt waren. Durch den Sauerstoffmangel werden Nervenzellen dauerhaft geschädigt.  Dies kann zum Beispiel durch Mini-Schlaganfälle im Gehirn bedingt sein, die die betroffene Person unter Umständen gar nicht selbst bemerkt. Aber auch Gehirntumore oder schwere Schädel- und Hirnverletzungen können zu einer Demenz führen.

Daneben gibt es Erkrankungen, die das Risiko einer Demenz im hohen Alter stark erhöhen. Hierzu zählt zum Beispiel die Parkinsonsche Erkrankung.

Frontotemporale Demenz:
Diese Demenzform kommt zunehmend häufiger vor: Sie macht schätzungsweise 10 bis 20 % aller Demenzerkrankungen aus früher ging man von 3-9 % aus. Die Zahlen schwanken je nach Quelle stark. Bei der frontotemporalen Demenz gehen Nervenzellen aus dem Stirn- und Schläfenbereich des Gehirns (von „frons“, lateinisch: Stirn und „tempus“, lateinisch: Schläfe) allmählich zugrunde. Dieser Hirnbereich kontrolliert Gefühle und das erlernte Sozialverhalten.

Von der frontotemporalen Demenz sind jüngere Menschen als bei der Alzheimer-Erkrankung betroffen: Betroffene sind meist zwischen 50 und 60 Jahre alt. Zu Beginn haben die Erkrankten nicht die typischen Demenzzeichen wie Gedächtniseinbußen und Störungen der geistigen Leistungsfähigkeit. Sie fallen eher durch eine Veränderung der Persönlichkeit und des zwischenmenschlichen Verhaltens auf. Typisch sind etwa ungewohnte Aggressivität, Taktlosigkeit oder maßloses Essen; aber auch Teilnahmslosigkeit oder Verwahrlosung. Dieser Umstand macht das Erkennen der Erkrankung sehr schwer. Auch für die Angehörigen ist das Zusammenleben eine große Herausforderung und enorme Belastung.

Da der Grund der Nervenzellzerstörung noch nicht vollständig bekannt ist, kann man diese auch nicht ursächlich behandeln. Möglich ist eine medikamentöse Behandlung der Symptome, um die Verhaltensauffälligkeiten zumindest abzumildern.und damit Angehörige zu entlasten.