Demenz - Was ist das?

Symptome und Krankheitsverlauf

Demenz ist ein Syndrom für verschiedene Erkrankungen, bei denen Störungen und Einschränkungen der kognitiven Fähigkeiten – Wahrnehmen, Denken und Erinnern – auftreten. Ein Demenz-Syndrom, häufig auch nur Demenz genannt, wird durch krankheitsbedingte Schädigungen des Gehirns verursacht. Diese führen in der Regel zu Einschränkungen in der Alltagsfähigkeit. In welchen Situationen sich kognitive Defizite bemerkbar machen, hängt vor allem von der geschädigten Region im Gehirn ab. Diese Schädigung wird durch neurodegenerative Prozesse hervorgerufen. Neurodegenerativ heißt, dass Nervenzellen im Gehirn mit der Zeit verloren gehen und für die Ausfälle in der Alltagsfähigkeit verantwortlich sind. Folglich zeigen sich entsprechende Symptome. Die Ursachen für die Schädigungen im Gehirn sind vielfältig. Warum die Nervenzellen verloren gehen, konnte nicht in allen Fällen geklärt werden.

Je nach Ursache des Verlustes der Nervenzellen lassen sich jedoch verschiedene Demenzformen unterscheiden. Die häufigsten Krankheitsformen sind die Alzheimer Demenz, die Vaskuläre Demenz , die Lewy-Körperchen Demenz und die Frontotemporale Demenz. Oft treten jedoch Mischformen auf, bei denen eine exakte Zuordnung zu einer Demenzform nicht möglich ist. Ein Demenz-Syndrom kann in seltenen Fällen auch in Folge anderer Erkrankungen, zumeist einer Infektionskrankheit oder Stoffwechselkrankheit, auftreten.

Mit einer Ausnahme von 2 %, bei denen eine behebbare Ursache vorliegt, sind Demenzen irreversibel und können nicht geheilt werden. Dennoch gibt es zahlreiche Möglichkeiten, den Krankheitsverlauf medizinisch und sozial zu unterstützen. Das Wissen über die Krankheit Demenz kann sowohl den Betroffenen, als auch dem sozialen Umfeld helfen, mit der Erkrankung umzugehen. Eine gewisse Abnahme der geistigen Leistungsfähigkeit im Alter ist normal. So kann zum Beispiel das Merken von Nummern oder Namen schwerer fallen oder Informationen werden nicht mehr so schnell vom Gehirn verarbeitet wie früher. Diese Defizite müssen nicht zwangsläufig auf eine Erkrankung, wie ein Demenz-Syndrom, schließen lassen. Bei Auffälligkeiten ist es jedoch immer ratsam, sich an seinen Hausarzt zu wenden, der persönlich sowie individuell aufklären und beraten kann.

Symptome

Symptome eines Demenz-Syndroms sind je nach Form und Grad der Erkrankung vielfältig und unterschiedlich ausgeprägt. Man kann jedoch zwei wesentliche Merkmale benennen: 1. Minderung kognitiver Fähigkeiten und 2. Veränderung von Sozialverhalten, Persönlichkeit, Antrieb oder Stimmung. Beide Faktoren führen zu Einschränkungen und Komplikationen bei Alltagstätigkeiten. Damit ein Demenz-Syndrom diagnostiziert werden kann, müssen Symptome, die im Folgenden beschrieben werden, länger als sechs Monate bestehen und zunehmen.

1. Minderung kognitiver Fähigkeiten:

Einschränkungen in den kognitiven Fähigkeiten und Leistungen führen im Alltag, sowohl für die Menschen mit Demenz als auch für ihr soziales Umfeld, wie zum Beispiel Familie, Freunde, Nachbarschaft oder Mitarbeitenden im Einzelhandel häufig zu Problemen. Betroffene und das Umfeld müssen häufig lernen, mit den Defiziten im Alltag umzugehen und praktische sowie soziale Lösungen zu finden.

  • Gedächtnis: Etwas zu vergessen, ist ein typisches Zeichen für ein Demenz-Syndrom. Jedoch vergessen die erkrankten Menschen nicht nur das, was für sie neu ist, sondern sie vergessen mehr und mehr das, was ihnen im Alltag immer selbstverständlich war: Sich anziehen, für die ganze Familie kochen oder die Reifen des Autos wechseln – die Kenntnisse über die Handlungsabläufe bei alltäglichen Dingen gehen zunehmend verloren. So kann es zum Beispiel passieren, dass Betroffene immer wieder und viel zu viel einkaufen, weil sie vergessen haben, dass sie schon einkaufen waren und der Kühlschrank voll ist.
  • Aufmerksamkeit: Im Alltag selektieren Menschen die Reize aus der Umwelt und richten ihre Aufmerksamkeit gezielt auf die Angelegenheiten, die für ihr Handeln von Bedeutung sind. Diese Fähigkeit, sich gezielt auf eine Sache zu konzentrieren, fällt Menschen mit einer Demenzerkrankung in der Regel schwerer und es entwickeln sich Defizite in der Aufmerksamkeit. 
  • Sprache: In Bezug auf Sprachstörungen vergessen Menschen mit einem Demenz-Syndrom schon im Frühstadium Worte und suchen nach Umschreibungen. Wenn ihnen auch das nicht mehr gelingt, kann es zu vollkommener Verstummung kommen oder, bedingt durch die Frustration der Betroffenen, zu aggressiven Verhaltensweisen führen.
  • Auffassungsgabe: Die Auffassungsgabe ist die Fähigkeit, Ereignisse oder Dinge wahrzunehmen und zu erkennen. Bei Menschen mit einem Demenz-Syndrom kann es sein, dass diese nicht mehr so viel von dem, was um sie herum geschieht, aufnehmen können, aufgrund von Einschränkungen in der Leistungsfähigkeit der Auffassungsgabe.
  • Denkvermögen: Gesunde Menschen nehmen die Fähigkeit, planen zu können oder Zusammenhänge zu erkennen, zu verstehen und zu benennen, als selbstverständlich an. Bei Menschen mit einem Demenz-Syndrom kommt es auch in diesem Bereich zu Einschränkungen und Störungen. Im Alltag kann das beispielsweise dazu führen, dass Termine für Arztbesuche und mit der Familie, Bekannten und Freunden nicht mehr organisiert, terminlich abgestimmt und geplant werden können. 
  • Orientierungssinn: Beim Orientierungssinn wird zwischen räumlicher, zeitlicher und situativer Orientierung unterschieden. Bei einer räumlichen Orientierungsstörung finden die Betroffenen zum Beispiel bekannte Wege, wie den Weg vom Arzt oder Supermarkt nach Hause, nicht mehr. Einschränkungen im Orientierungssinn können dazu führen, dass Menschen mit einem Demenz-Syndrom sich nicht mehr selbständig in der Öffentlichkeit bewegen können und auf Begleitung und Unterstützung angewiesen sind. Diese Einschränkungen können sich auch auf die zeitliche Komponente beziehen. Die Betroffenen wissen zum Beispiel nicht mehr, welches Jahr, welcher Monat oder welcher Tag ist. Auch kann es vorkommen, dass sie Situationen vermehrt falsch einschätzen. Dieser Kontext wird auch als Defizit in der situativen Orientierung bezeichnet.

 

2. Veränderung von Sozialverhalten, Persönlichkeit, Antrieb oder Stimmung

Einen großen Einfluss auf die Alltagsgestaltung hat die Veränderung von Sozialverhalten, Persönlichkeit, Antrieb oder Stimmung des Betroffenen. Diese Veränderungen wirken sich genauso wie die kognitiven Fähigkeiten auf das soziale Umfeld und den Umgang mit Menschen mit einem Demenz-Syndrom aus.

  • Veränderung von Sozialverhalten: Es ist möglich, dass die Betroffenen Veränderungen im Sozialverhalten entwickeln. Möglicherweise ändern sich auch die Verhaltensweisen gegenüber der Familie oder Freunden. Wurde zum Beispiel bei Kaffee und Kuchen immer gemeinsam begonnen, kann es vorkommen, dass ein Mensch mit einer Demenz sein Verhalten auf einmal ändert und im Vorhinein mit dem Essen beginnt. Wie bei allen Symptomen oder Veränderungen sind diese individuell ausgeprägt.
  • Persönlichkeit: Möglich ist auch, dass sich der an Demenz erkrankte Mensch in seiner Persönlichkeit verändert und andere Charakterzüge annimmt. Beispielsweise kann eine ruhige, ausgeglichene Person in Folge der Krankheit Charakterzüge wie Streitlust oder Unzufriedenheit annehmen.
  • Antrieb: Es kann vorkommen, dass einem Betroffenen der Antrieb fehlt. Zum Beispiel fehlt die Lust am gesellschaftlichen Leben teil zu nehmen, zu kochen oder zu backen, obwohl dieser das bisher in seinem ganzen Leben immer sehr gerne getan hat.
  • Stimmung: Auch die Stimmung kann sich bei einem Mensch mit Demenz verändern oder stark schwanken. Kognitive Einschränkungen können Gefühle wie Angst, Wut oder Trauer auslösen und die Stimmung des Betroffenen beeinflussen.

Die beschriebenen Funktionen stellen alle Leistungen des menschlichen Gehirnes dar. Zu welchen Symptomen es letztendlich bei einem Demenz-Syndrom kommt, hängt davon ab, welche Regionen im Gehirn durch die Erkrankung geschädigt werden. Je nachdem, welcher Bereich betroffen ist, zeigen sich entsprechende Symptome und in Folge dessen, entsprechende Ausfälle im Alltag. Mit Fortschreiten der Erkrankung nehmen die Schädigungen im Gehirn und damit auch die Symptome zu.

Krankheitsverlauf

Nicht bei jedem Menschen mit Demenz-Syndrom treten alle Symptome gleichermaßen auf. Die Störungen der geistigen Leistungsfähigkeit müssen zwar vorhanden sein, um die Diagnose einer Demenz zu stellen, ob aber z. B. Unruhe, Wahn oder Halluzinationen auftreten, ist sehr unterschiedlich. Manche Menschen sind eher getrieben und unruhig, andere sind kaum zu einer Aktivität zu bewegen. Allerdings gibt es auf Grund der Vielfalt im Krankheitsbild auch sehr unterschiedliche Krankheitsverläufe. Es gibt Betroffene, bei denen die Krankheit sehr schnell voranschreitet, während andere einen langsameren Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit erleben. In den meisten Fällen entwickelt sich eine neurodegenerative Erkrankung, wie ein Demenz-Syndrom, jedoch schleichend.

In einer frühen Phase der Erkrankung sind es vermutlich nur kleine Auffälligkeiten, die im weiteren Krankheitsverlauf zu größeren Problemen im Alltag führen. Häufige Anzeichen für eine Demenz in der frühen Phase sind Gedächtnis- und Orientierungsstörungen. Diese zeigen sich in einer verstärkten Vergesslichkeit, in Orientierungsstörungen oder auch in Sprachstörungen.

Mit Fortschreiten der Erkrankung stellt sich in vielen Fällen ein zunehmender Verlust des Wortschatzes ein. Dieser kann bis zu einem vollständigen Verlust der Sprache führen. Im Verlauf einer Demenz gewinnen deshalb nonverbale Zugänge, zum Beispiel über Musik und einfühlsame Begegnungen sowie Berührungen, an Bedeutung für die Menschen. Je nach Demenzform und allgemeiner Konstitution stellt auch die Bewegung ein zunehmendes Problem dar. Dabei können Mobilitätseinschränkungen sehr unterschiedlich ausfallen. Je weiter die dementielle Erkrankung fortschreitet, desto instabiler wird auch der Allgemeinzustand der Menschen mit Demenz – in der Folge treten vielfach Inkontinenz und Bettlägerigkeit ein. Je weiter die demenzielle Erkrankung fortschreitet, umso mehr verlieren Menschen mit Demenz den Bezug zu ihrem bisher alltäglichen Leben. Es kommt jedoch häufig vor, dass ebenfalls seelische Veränderungen wie Gefühlsstörungen oder zum Teil auch Wahnvorstellungen auftreten. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Symptome, die bei einer Demenzerkrankung vorkommen, jedoch auch andere Ursachen haben können. Dazu zählen körperliche Unruhe, Unsicherheit, Interessenlosigkeit oder fehlende Organisation von Körperpflege und Kleidung und Probleme beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang. Darüber hinaus kann es zu Persönlichkeitsveränderungen im Rahmen des Krankheitsverlaufes kommen.Abhängig von der Demenzform, zum Beispiel bei der Frontotemporalen Demenz, können diese jedoch manchmal auch im Vordergrund stehen.

In der späten Phase der Erkrankung kommt es vor, dass Menschen mit Demenz ihre eigenen Kinder nicht mehr erkennen, wenn diese vor ihnen stehen – wohl aber, wenn sie ein Bild von ihnen sehen, auf dem die Kinder noch klein sind. Andere wollen wieder jeden Morgen zur Arbeit gehen, obwohl sie schon seit Langem im Ruhestand sind.

Diese Ausführungen zeigen, wie vielfältig und breit gestreut Symptome und Krankheitsverlauf eines Demenz-Syndroms sein können. Sollten Sie selbst oder ein Angehöriger von Veränderungen betroffen sein und Sie sind unsicher, kann ein Gespräch mit dem Hausarzt und eine ärztliche Diagnostik hilfreich sein.

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