Menschen mit Demenz im Krankenhaus

Wenn Menschen mit Demenz ins Krankenhaus kommen, dann werden sie überwiegend in Folge einer internistischen Erkrankung, wie z. B. Lungenentzündung oder eines schlecht eingestellten Diabetes mellitus, nach einem Sturz oder aufgrund einer erforderlichen Operation, in ein Akutkrankenhaus eingewiesen und behandelt. Ein Krankenhausaufenthalt kann die Symptome einer Demenz verstärken. Beispielsweise fällt es dem/der  Patienten/in schwerer als bisher, sich in einer fremden Umgebung zu orientieren und er/sie findet z. B. die Toilette nicht, er/sie weiß das aktuelle Datum nicht oder erinnert sich nicht an das eigene Geburtsdatum. Aufgrund der Demenz gelingt es Patient(in)en häufig nicht mehr die Anforderungen, die ein Aufenthalt im Krankenhaus mit sich bringt, zu kompensieren. Welche Veränderungen im Vergleich zur gewohnten Lebenssituation können auf den/die Demenzerkrankte/n zukommen?
Beispielsweise:


Räumliche Veränderungen

  • unbekannte Wege und Räume
  • lange Flure
  • ungewohnter Weg zur Toilette
  • evtl. Ausstieg aus dem Bett zur ungewohnten Seite 
  • evtl. Zimmer- und/oder Stationswechsel
  • ungewohnte Lichtverhältnisse
  • ungewohnte/beunruhigende Geräuschkulisse

Tagesablauf

  • ungewohnt (das medizinische Prozedere z. B. auch Untersuchungen finden auch während der Essens- und Ruhezeiten statt)
  • weniger Möglichkeiten sich zu beschäftigen 
  • Bewegungsmöglichkeiten sind in der Regel eingeschränkt

Kommunikation

  • die Sprache ist medizinisch ausgerichtet und daher schwer verständlich
  • die Atmosphäre ist umtriebig und mit unbekannten Geräuschen verbunden

Personenwechsel

  • Angehörige bzw. vertraute Personen sind nur zeitweise anwesend
  • evtl. wechselnde Zimmernachbarn
  • viele unbekannte Menschen in Dienstkleidung

Therapie

  • neue Medikamente
  • Umstellung der gewohnten Dosierung
  • evtl. Anlage eines Blasenkatheters
  • evtl. Operation


Während eines Krankenhausaufenthaltes, vor allem nach Operationen, aber auch nach der Anlage eines Blasenkatheters, kann es zu delirantem Verhalten kommen. Was bedeutet das? Ein Delir ist ein akuter Verwirrtheitszustand (s. auch Demenz-Was tun?/Diagnose) der von außen verursacht wird, wie z. B. einer Operation und sich im Tagesverlauf unterschiedlich ausgeprägt darstellt (so werden beispielsweise morgens „weiße Mäuse“ gesehen (Wahnvorstellung) und nachmittags ist der/die Patient/in im Verhalten unauffällig).
All die genannten Faktoren können zu einem verlängerten Krankenhausaufenthalt oder zu einem Aufenthalt auf der Intensivstation führen. Außerdem bewirken sie eine höhere Institutionalisierungsrate, d. h. Patient(in)en werden häufiger in ein Alten- und Pflegeheim überwiesen. 

Was kann zur Milderung der beschriebenen Situation getan werden?
Nicht immer ist bei einer Krankenhauseinweisung die Diagnose Demenz bekannt, so dass weder Angehörige noch Krankenhauspersonal sich adäquat darauf einstellen können. Sowohl zur Einweisung in ein Krankenhaus, als auch zur Entlassung daraus ist eine Checkliste entwickelt worden. Sie ist generell für ältere und pflegebedürftige Menschen vorgesehen. Diese Liste finden Sie hier. Sie enthält wichtige Hinweise z. B. welche Unterlagen benötigt werden oder was für die Entlassung zu organisieren ist. Darüber hinaus können bekannte und vertraute Gegenstände Orientierung und Sicherheit geben, so z. B. ein eigenes (kleines) Kopfkissen mit einem bekannten Geruch, ein Foto einer wichtigen Person oder die Lieblingstasse. Über den Tag verteilt organisierte Besuche von Familienangehörigen und Freunden, damit über eine größere Zeitspanne eine vertraute Person zugegen ist, bieten ebenfalls Sicherheit. Begleitung bei der Visite oder zu Untersuchungen durch bekannte Personen kann die Situation für den/die Patient/in wesentlich entlasten.

Immer mehr Krankenhäuser, momentan ca. 10 %, machen sich auf den Weg und entwickeln Konzepte für ein demenzgerechtes Krankenhaus und bilden ihr Personal zu diesem Thema fort. Bekannte Konzepte wie das Silvia Hemmet Konzept oder ein Patientenbegleitdienst werden auf der Seite des Landesverbandes der Alzheimer-Gesellschaft Nordrhein-Westfalen e. V. vorgestellt.

Broschüre zum Thema

Eine Broschüre zum Thema ist in der Reihe "Demenz-Service" der Landesinitiative unter dem Titel „Menschen mit Demenz im Krankenhaus – Ein Lern- und Arbeitsbuch für Pflegekräfte“ erschienen.
Das aus dem Englischen übersetzte Buch von Carole Archibald führt zunächst in die Bedeutung von Demenzen und den person-zentrierten Ansatz nach Tom Kitwood ein.
Hierbei stehen die Prinzipien und Werte, die im Umgang mit Menschen mit Demenz Beachtung finden sollten, im Vordergrund.
Die Einbeziehung von pflegenden Angehörigen ist ebenso ein Thema wie die Bereiche Kommunikation und herausforderndes Verhalten. Anhand von Fallbeispielen können Pflegekräfte zum Beispiel lernen, welche Form der Einbindung von Angehörigen im Einzelfall genutzt werden kann.
Auch die wichtigen Bereiche Essen und Trinken sowie das Schmerzerleben von Menschen mit Demenz werden als Lerneinheiten in diesem Buch behandelt.
Die Broschüre eignet sich sehr gut für Schulungen im Krankenhaus – nicht nur für Pflegekräfte. Darüber hinaus kann das Buch auch zur selbstständigen individuellen Weiterbildung genutzt werden.

Titel der Broschüren:
"Menschen mit Demenz im Krankenhaus. Ein Lern- und Arbeitsbuch für Pflegefachkräfte" von Carole Archibald. Demenz-Service Heft 11, Kuratorium Deutsche Altershilfe (Hrsg.), 2. Auflage 2009, Köln
"Wegweiser für Menschen mit Demenz im Krankenhaus. Ratgeber für Angehörige" von GSP-Gemeinnützige Gesellschaft für soziale Projekte. Demenz-Service Heft 14, Kuratorium Deutsche Altershilfe (Hrsg.), 1. Auflage 2014, Köln
Die Hefte werden kostenlos - auch in größeren Stückzahlen von den Demenz-Servicezentren - abgegeben oder kann über die Koordinierungsstelle über eine Versandkostenerstattung postalisch bestellt werden. Einzelheiten dazu siehe hier.