19.11.2009
„Die Deutschen verstehen mich nicht...“ Fachtagung zur kultursensiblen Altenhilfe weist auf Defizite hin.
Sie sind da und wollen gut versorgt werden – ältere Migrantinnen und Migranten stellen aber aufgrund kultureller Eigenheiten andere Ansprüche bei der Pflege.
Ideen, Perspektiven und noch viel Aufklärungsarbeit
Trotz ausreichender Deutschkenntnisse fühlte sich die russische Patientin bei ihrem Arzt nicht gut aufgehoben. Gerade Menschen mit einer Demenz bedürfen nämlich besonderer Zuwendung und Aufmerksamkeit in der medizinischen und pflegerischen Versorgung und Betreuung. Entsprechend groß war das Interesse an der Fachtagung des Demenz-Servicezentrums Nordrhein-Westfalen für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte am 16.11.2009. „Wir freuen uns natürlich über die positive Resonanz, haben aber erneut festgestellt, dass gerade auf dem Feld der kultursensiblen Altenhilfe ein riesiger Informationsbedarf besteht“, resümiert Fachreferent Reinhard Streibel. Ganz klar habe sich gezeigt, dass gerade im Bereich der Ausbildung, der Qualifizierung oder während der Etablierung von bürgernahen und quartiersbezogenen Organisationen wie Pflegestützpunkten großer Nachholbedarf besteht. Der Senioren- und Behindertenbeauftragte der Stadt Gelsenkirchen, Dr. Wilfried Reckert, stellte in einem Grundlagenpapier unter dem Titel „Von professioneller Pflege bei Deutschen und familiärer Pflege bei Zugewanderten hin zu professioneller und bürgerschaftlicher Pflege im Viertel“ entsprechende Analysen und Handlungsempfehlungen vor.
„Unsere Heimat ist hier!“ – Neue Wettbewerbsvorteile für Pflege- und Betreuungseinrichtungen
Einig waren sich die Experten, dass entgegen früherer Prognosen älter gewordene Migrantinnen und Migranten hierbleiben und nicht zurück in die Heimatländer gehen. Sie sind gleichzeitig auch Nutzer von Diensten und Einrichtungen – wenn denn kulturangepasste Angebote auch gemacht werden, wusste der Inhaber eines privaten Pflegedienstes mit angeschlossener Tagespflege in Krefeld, Ali Celik zu berichten: „Auch der `Gastarbeiter´ braucht Pflege“, betont Celik, „und ich biete sie eben zielgruppengerecht an – und zwar so sehr, dass die Nachfrage oft größer ist, als Krankenpflegekräfte zur Verfügung stehen.“
Immerhin: Das Bewusstsein für die Notwendigkeit kultursensibler Angebotsstrukturen in der gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung von älterwerdenden Migrantinnen und Migranten wächst langsam aber stetig – genauso stetig steigt aber auch die Zahl der an Demenz und anderen psychischen Krankheiten erkrankten Menschen mit Migrationshintergrund. Das Demenz-Servicezentrum Nordrhein-Westfalen für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte sowie die Arbeiterwohlfahrt Bezirk Westliches Westfalen e.V. bieten für jeden Interessierten ausführliches Informationsmaterial und auch kostenlose persönliche Beratung an.




