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10.09.2010 - 21:57 Uhr


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12.11.2009

Befragung zeigt: Ältere Migranten kehren nicht zurück, sondern bleiben

Wie stellen sich älter werdende Migrantinnen und Migranten ihr zukünftiges Leben in Deutschland vor? Haben sich die „Gastarbeiter der ersten Generation“ inzwischen auf ein dauerhaftes Leben hier eingerichtet oder halten sie an ihren Rückkehroptionen fest?  Aktuelle Antworten auf diese Fragen wollte man bei der Arbeiterwohlfahrt, Bezirk Westliches Westfalen, haben. Reinhard Streibel, dort als Referatsleiter der Abteilung Soziales auch zuständig für das Demenz-Servicezentrum für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte, hat daher von  März bis Juli 2009 eine Befragung durchgeführt.

Insgesamt haben wir 664 Aussagen ausgewertet. Das ist zwar nicht repräsentativ, lässt aber eindeutige Trends erkennen und entsprechende Rückschlüsse ziehen. In Zusammenarbeit mit den Fachdiensten für Migration und Integration der AWO im Bezirk Westliches Westfalen wurde eine Gruppe von 560 türkischstämmigen und 62 tunesischstämmigen älteren Migranten zu ihren Rückkehrabsichten und zum Pendelverhalten befragt. Mit 73 Prozent stammte die große Mehrheit der Befragten aus ländlichen Regionen der Türkei bzw. Tunesiens. 15 Prozent gaben an, aus kleinstädtischen und städtischen Regionen zu stammen, nur zwölf Prozent gaben Großstädte als Heimatorte an. In die Auswertung sind zusätzlich noch 42 Antworten von Migranten ohne Herkunftsangabe eingeflossen. 

Befragt wurden über 60-jährige Migranten, wobei die Altersgruppe der 60- bis 65-Jährigen mit 61 Prozent am stärksten vertreten war. 14 Prozent der Befragten gehörten zur Gruppe der 66- bis 70-Jährigen, elf Prozent waren über 70 Jahre alt. Jünger als diese alle waren 14 Prozent. Fast die Hälfte aller  Befragten (45 Prozent) lebt  bereits bis zu 40 Jahren in Deutschland. 29 Prozent sogar noch länger.  

Diese lange Zeit scheint ihre Auswirkungen auf die Lebensplanung der gealterten Migrantinnen und Migranten zu haben: Nur sieben Prozent gaben an, sich noch mit Rückkehrabsichten zu tragen. Dagegen stimmten 79 Prozent der Aussage zu, ihre Rückkehroption definitiv aufgegeben zu haben. Diese Aussage lässt den Rückschluss zu, dass man sich mit der „das Gastarbeiterleben“ prägenden Lebensperspektive und Lebensplanung beschäftigt hat und zu neuen Entscheidungen gekommen ist. Denn die ursprüngliche Planung sah bei den meisten vor, im Rentenalter wieder ins Heimatland zurückzukehren oder zumindest vermehrt zwischen diesem und Deutschland zu pendeln. 

Als Gründe für diese neuen Lebensentwürfe wurden mit 86 und 89 Prozent hier lebende Kinder und Enkel genannt. Bei unserer Nachfrage zur Familiengröße hat sich das angenommene Bild von eher großen und kinder- und enkelreichen Familien mit zwei bis vier Kindern sowie zwei bis drei Enkeln bestätigt.

Die Aussagen zum früher häufig praktizierten Pendelverhalten gerade zwischen der Türkei und Deutschland passen zu diesen Angaben: 81 Prozent gaben an, früher gependelt zu sein; aber nur noch die Hälfte von diesen tut das zurzeit. 73 Prozent wollen zukünftig gar nicht mehr pendeln. Interessanterweise äußerten sich 87 Prozent der Befragten dahingehend, dass sie sich gefühlsmäßig nicht von ihrem Heimatland entfernt hätten. Dies scheint also kein Grund für die Entscheidungen zu sein, auf Dauer hier in Deutschland bleiben zu wollen. 

Die  Rückkehrabsichten von Migrantinnen und Migranten wurden in der Vergangenheit auch immer wieder mit Wohneigentum in den Herkunftsländern begründet. Auch danach haben wir gefragt, und es zeigte sich, dass in der befragten Gruppe nicht viele mit Wohneigentum in den Herkunftsländern (nur noch sechs Prozent) zu finden waren. Die meisten derjenigen, die Wohneigentum im Ausland angaben, beabsichtigen nicht, dieses zu behalten (92 Prozent). 

Auch Sparguthaben sind, soweit überhaupt vorhanden, nach Auskunft der Befragten überwiegend in Deutschland und weniger im Ausland vorhanden. Und wenn es Kapitalanlagen  im Ausland gibt, plant die breite Mehrheit (81 Prozent), dieses nicht so beibehalten zu wollen.

Erfreulicherweise ist es gelungen, von den Befragten auch Angaben zu ihrem Rentenbezug zu erhalten, wobei die Gruppe derjenigen mit Altersrenten mit 62 Prozent am größten war. Empfänger von Erwerbsunfähigkeitsrenten (zwölf Prozent) und Witwen- bzw. Witwerrenten (neun Prozent) waren deutlich unterrepräsentiert. Die Angaben zur Höhe der Renten korrespondiert mit Ergebnissen anderer Untersuchungen und ergab, dass 71 Prozent der Befragten Renten bis 1.300 Euro bezogen. Diese relativ geringen Renten haben sicher einen Einfluss auf die ermittelten Ergebnisse hinsichtlich der Rückkehr in die Herkunftsländer, zumal die Kosten für Flüge und Lebenshaltungskosten beispielsweise in der Türkei in den letzten Jahren erheblich gestiegen sind. 

Reinhard Streibel ist Referatsleiter der Abteilung Soziales der Arbeiterwohlfahrt, Bezirk Westliches Westfalen e.V. Dort ist er in Kooperation mit der AWO, Unterbezirk Gelsenkirchen- Bottrop, auch zuständig für die im Februar 2004 eingerichtete Fachstelle für an Demenz erkrankte Migranten und deren Angehörige, die Ende 2007 als Demenz-Servicezentrum für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte  Teil der Landesinitiative Demenz-Service-NRW ist (www.demenz-service-nrw.de ).

Kontakt: 
Kronenstraße 63–69, 44139 Dortmund Tel.: (02 31) 54 83-2 55, Fax: -165 E-Mail: Reinhard.Streibel@awo-ww.de  www.awo-ww.de

Kurz-Interview zur Untersuchung

 

 


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