24.08.2009
Schüler als zukünftige Pflegende für Menschen mit Demenz?
Demenz-Servicezentrum Nordrhein-Westfalen Regio Aachen/Eifel
Aachen 24.08.2009: Im Zuge der demographischen Entwicklung wird die Zahl der an Demenz erkrankten Menschen steigen. Ein Projekt des Demenz-Servicezentrums Nordrhein-Westfalen Regio Aachen/Eifel finanziert durch Spenden des 14. närrischen Pflegefestivals will vor allem Jugendliche über das Krankheitsbild aufklären und sie gleichzeitig als beruflichen Nachwuchs in der Pflege demenziell erkrankter Menschen gewinnen.
Meine Oma ist komisch drauf - und ich weiß nicht warum
„Meine Oma verhält sich in letzter Zeit ganz komisch, stellt mir immer die gleichen Fragen, ist unfreundlich zu mir und wollte zuletzt gar nicht mehr, dass ich sie besuchen komme. Reden kann ich mit ihr darüber aber auch nicht, sie spricht einfach nicht mit mir, sitzt nur stumm da und starrt mich an", erzählt die 14-Jährige sichtlich traurig. „Hab ich vielleicht was falsch gemacht", grübelt sie nun schon seit ein paar Wochen. Dass dahinter eine Demenz stecken könnte, hat sie erst in der Schule erfahren. Auch ihre Eltern waren bislang völlig ahnungslos und wurden durch die Tochter auf die Verhaltensänderung aufmerksam.
Pflegeheim statt Schulbank
Angesichts der wachsenden Zahl demenziell erkrankter Menschen in Deutschland besteht nach wie vor erheblicher Informations- und Aufklärungsbedarf. Gerade bei Jugendlichen, von denen viele zukünftig im familiären Umfeld auf Menschen mit einer demenziellen Erkrankung treffen, seien es Oma oder Opa, Tante oder Onkel oder vielleicht sogar ein Elternteil. Da das Fach „Gesundheitsvorsorge" an Schulen leider immer noch keine Rolle spielt und Krankheitsbilder allenfalls im Biologie-Unterricht kurz „abgehandelt" werden, hat das Demenz-Servicezentrum Nordrhein-Westfahlen Regio Aachen/Eifel das Modellprojekt „demenz@school" initiiert. Es soll Heranwachsende mit dem Erscheinungsbild demenzieller Erkrankungen vertraut machen, ihnen so Ängste, Unsicherheit und Zweifel beim Umgang mit demenziell erkrankten Angehörigen nehmen. Gleichzeitig soll mit dem Projekt der Kontakt zwischen Schulen und Pflegeheimen ausgebaut werden. Hierbei werden gezielt Berufe in der Altenpflege und -betreuung vorgestellt. Der Unterricht wird neben den zuständigen Pädagogen auch von Mitarbeitern des Demenz-Servicezentrums Nordrhein-Westfalen Regio Aachen/Eifel sowie von externen Pflege- und Demenzexperten durchgeführt. Die Schülerinnen lernen das Krankheitsbild und dessen Auswirkungen auf Betroffene und deren Angehörige genauso kennen wie auch entsprechende Hilfsmaßnahmen und Betreuungsinstitutionen. Theorie und Praxis werden dabei eng verzahnt. Die Schülerinnen informieren sich daher auch vor Ort, also in den Einrichtungen selbst, über die Pflegepraxis und werden so für den Beruf der Altenpflegerin/des Altenpflegers begeistert.
Auch Lehrerinnen und Lehrer können „nachsitzen"
Wichtig ist den Organisatoren hierbei besonders, dass sich die Tätigkeit nicht auf eine bloße Hospitation oder das „Mitlaufen" im Arbeitsalltag beschränkt. Die Jugendlichen dürfen deshalb ganz konkrete Aufgaben übernehmen wie die Gestaltung eines Erzählcafés, das gemeinsame Kochen nach alten Rezepten, Bewegungskurse planen und durchführen oder Angebote für Sinnesreize (z. B. Basale Stimulation, Snoezelen) erarbeiten. Die Moderation und Koordination für das Gesamtprojekt liegt beim Demenz-Servicezentrum Nordrhein-Westfalen Regio Aachen/Eifel, das in dem Zusammenhang auch spezielle Fortbildungsangebote für bereits in dem Projekt engagierte als auch für sonst interessierte Lehrerinnen und Lehrer anbietet. Das Projekt finanziert sich im wesentlichen aus Spenden des „Närrischen Pflegefestival 2009", die eine Beteiligung von ca. zehn Schulen ermöglichen sollen. Jeder Schule steht dabei ein Gesamtbudget in Höhe von 500 Euro zur Verfügung; dieses kann z. B. verwendet werden für schulinterne Präsentation (z. B. Fotos, Filme, Infotafel, Farbdrucke...) oder Exkursionen.
Weitere Informationen zum Projekt erhalten Sie bei: Ursula Kreutz-Kullmann, Demenz-Servicezentrum Nordrhein-Westfalen Regio Aachen/Eifel, Tel.: (02402) 94 83 47, E-Mail: dsz@vz-nrw.de




