15.05.2008
Informationen zur Präsentation der "Landesinitiative Demenz-Service NRW" in Berlin am 5. Mai 2008
Zwischen Klingeltönen für Notrufsysteme und Daten und Fakten zur Demenz:
Gelungener Informationsabend der Landesinitiative Demenz-Service NRW in der Berliner Landesvertretung
„Sehr informativ und gleichzeitig sehr unterhaltsam". „Ein rundum gelungener Abend". „Das Thema Demenz auf diese Weise zu transportieren, war eine tolle Idee" – so lauteten drei Einschätzungen zu der „Präsentation des Modellprojekts Landesinitiative Demenz-Service NRW. Schnittstelle zwischen sozialer Betreuung und gesundheitlicher Versorgung", zu der das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen am 5. Mai 2008 in die Berliner Landesvertretung eingeladen hatte.
Die positiven Meinungen stammen von drei der insgesamt 180 Teilnehmenden. Auf der Gästeliste standen neben Vertretern von Berufs und anderen –Fachverbänden, auch viele Trägerverantwortliche sowie elf Mitglieder des Deutsches Bundestages. Sie alle waren gekommen, um sich über die bundesweit einmalige Arbeit der Landesinitiative Demenz-Service NRW zu informieren.
Minister und Karl-Josef Laumann begrüßte seine Gäste mit dem Anliegen, doch zukünftig etwas selbstverständlicher mit dem „Problem" Demenz umzugehen. Dafür werbe die Landesinitiative seit ihrer Entstehung im Jahr 2004. Es gehe darum, Demenz endlich aus der Tabuzone herauszuholen. Noch wichtiger sei aber eine entsprechende Infrastruktur, um die Erkrankten und ihre meist stark mit Pflege und Betreuung belasteten Angehörigen fachgerecht zu unterstützen. „Hierfür ist Nordrhein-Westfalen bestens aufgestellt", so Sozialminister Laumann weiter. „Unsere Landesinitiative umfasst rund 730 niedrigschwellige Betreuungsangebote, zwölf Demenz-Servicezentren, das Dialogzentrum Demenz an der Privat-Universität Witten-Herdecke und eine Vielzahl von Einzelprojekten. Mit jedem Demenz-Servicezentrum unterstützen wir 27.000 Erkrankte und ihre Angehörigen. Diese Anlaufstellen sind der Impulsgeber für vieles, was schon an Infrastruktur vorhanden ist". (Lesen Sie dazu auch die vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen herausgegebene Presseerklärung).
Nach der Begrüßungsrede des Ministers stand, anmoderiert durch Ministerialrat Roland Borosch, ein „kultureller Beitrag" im Programm. Dieser entpuppte sich als Auftritt der „Altenheimbewohner" Karl-Heinz und Willi, die den Teilnehmenden nun auf komödiantische Weise ihre Sicht der Dinge näherbrachten: „Demenz mit Vehemenz", lautete ihre Parole des Abends. Karl-Heinz und Willi, das sind zwei als „AWO-Oppas" bekannte Kabarettisten, die bei ihren Auftritten in die Rollen der renitenten Alten und Bewohner eines AWO-Heimes in Recklinghausen schlüpfen. Sie erklärten Minister Laumann und allen Teilnehmenden, dass Demenz „nicht exklusiv für Senioren ist, sondern auch gerade in Sachen Doping im Radsport oft vorkommt („Ich kann mich an nichts erinnern.") und brachten ihnen auch gleich eine Geschäftsidee näher: Klingeltöne für Notrufsysteme in Heimen.
Danach fiel Prof. Dr. Ralf Ihl, Chefarzt der Klinik für Gerontopsychiatrie am Alexianer Krankenhaus in Krefeld die Rolle zu, wieder auf die ernsten Seiten des Themas zu lenken. „Demenz ist eine der teuersten Krankheiten, die es im Alter gibt. Die Kosten entstehen vor allem in der Pflege und in Pflegeeinrichtungen. Deshalb ist es so wichtig, hier frühzeitig und möglichst vorbeugend etwas zu unternehmen", begann er seinen Vortrag. In einer knappen Viertelstunde gelang es ihm informativ und unterhaltsam, die wichtigsten Fakten rund um das Thema Demenz zu vermitteln. „Die Situation der Betroffenen muss dringend verbessert werden", mahnte Ihl. „In Nordrhein-Westfalen sind wir da mit unserer Landesinitiative schon auf dem richtigen Weg." (Folien zum Vortrag von Prof. Ihl)
Doch wie sieht denn nun die Arbeit der Landesinitiative konkret aus? Was machen die Demenz-Servicezentren eigentlich genau? Um das den Teilnehmenden nachhaltig zu vermitteln, hatten sich einige Mitglieder der Landesinitiative etwas Besonderes ausgedacht. Ihre Arbeit demonstrierten sie in einer szenischen Darstellung anhand eines zwar konstruierten, aber typischen Fallbeispiels: Das Ehepaar Müller, beide um die 80, hat Probleme. Frau Müller verändert sich zunehmend, wird immer vergesslicher und zieht sich mehr und mehr zurück. Ihr Mann ist hilflos, die Kinder des Paares zunächst auch – bis sie auf eines der nordrhein-westfälischen Demenz-Servicezentren stoßen. Nach dem Erstkontakt kommt eine ganze Hilfsmaschinerie ins Rollen: Beratung, Wohnungsanpassung, niedrigschwellige Betreuungsangebote....Und einige die von der Landesinitiative für NRW-Bürger kostenlos herausgegebenen Informationsschriften öffnen Herrn Müller die Augen im Umgang mit seiner Frau. Und so lautete das Fazit der szenischen und engagiert vorgestellten Darstellung: „Nach längeren Gesprächen zwischen allen Beteiligten entspannt sich die Situation allmählich, denn die Landesinitiative Demenz-Service NRW mit ihren vielen Akteuren kann Mut machen, sich nicht mehr in die eigenen vier Wände zurückzuziehen, sondern sich Unterstützung zu holen."
Nicht gespielt, sondern ganz real war dann die „Rolle" des nächsten Vortragenden: Paul Jürgen Schiffer, Abteilungsleiter für den Bereich Pflegeversicherung beim Verband der Angestelltenkrankenkassen/Arbeiter-Ersatzkassen-Verband, betonte die Rolle der Pflegekassen als wichtiger Partner der Demenz-Servicezentren. „Ich kann das Land Nordrhein-Westfalen nur beglückwünschen, dass es vor vier Jahren mit den Kassen dieses Projekt gestartet hat", sagte Schiffer. Und freute sich auch für die betroffenen Angehörigen von Menschen mit Demenz, „denn die können sich bei den Demenz-Servicezentren wunderbar kundig machen, weil sie dort alles gebündelt vorfinden."
Nach diesem kompakten Informationsangebot hatten die Teilnehmenden die Gelegenheit, sich an den Informationsständen der einzelnen Mitglieder der Landesinitiative, die im Foyer der Landesvertretung als „Markt der Möglichkeiten" aufgereiht waren, vertiefend über deren Arbeitsspektrum kundig zu machen. Ein Angebot, das intensiv in Anspruch genommen wurde. Es wurden zur Zufriedenheit aller Beteiligten viele interessante Gespräche an diesem Abend geführt. Gut angekommen ist die "Wunschbaum"-Aktion des Demenz-Servicezentrums für die Region Münster und das westliche Müsterland. An einem stilisierten Baum konnten die Teilnehmenden Karten aufhängen, auf denen sie notiert hatten, was sie sich im Fall einer eigenen Demenzerkrankung wünschen.
Foto-Impressionen der Veranstaltung

Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen: "Nordrhein-Westfalen ist mit seiner Landesinitiative Demenz-Service NRW bestens aufgestellt."

Ministerialrat Roland Borosch (Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen) führte durch den Informationsabend in der Landesvertretung.

Professor Dr. Ralf Ihl: "In Nordrhein-Westfalen sind wir mit der Landesinitiative auf dem richtigen Weg, was die Verbesserung der Situation der Betroffenen angeht."

Paul Jürgen Schiffer: "Bei den Demenz-Service-Zentren finden die Betroffenen alle nötigen Informationen gebündelt vor."

Die zwei "AWO-Opas" Karl-Heinz und Willi

So arbeitet die Landesinitiative Demenz-Service NRW – Die szenische Darstellung mit Theo Hengesbach, Elisabeth Philipp-Metzen, Stefan Kleinstück, Angelika Krafft, Brigitte Weber-Wilhelm, Detlef Rüsing, Annette Wernke, Rolf Bäumer, Christine Sowinski und Klaus Besselmann (von links nach rechts) machte es den interessierten Teilnehmenden auf unterhaltsame Weise deutlich.

Rund 180 Interessierte waren der Einladung von NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann (5. von links in der ersten Reihe) gefolgt.

Viele Teilnehmende informierten sich am "Markt der Möglichkeiten".

Viel Spaß am Informationsstand hatten Petra Gollor, Reinhard Pohlmann und Birgit Meyer (von links nach rechts).

Minister Laumann und Mitarbeitende der Demenz-Servicezentren. Im Hintergrund der sogenannte Wunschbaum, eine Aktion des Demenz-Servicezentrums für die Region Münster und das westliche Münsterland. Am Wunschbaum konnten die Teilnehmenden Karten aufhängen, auf denen sie notiert haben, was sie sich im Falle einer eigenen Demenzerkrankung wünschen würden. Hier eine Zusammenstellung der Wünsche.
(Fotos von Herrn Zensen)




