Betreuungsangebote für Menschen mit Demenz

Menschen mit Demenz benötigen in der Regel eine ständige Begleitung rund um die Uhr.

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass dies für drei Viertel der zuhause lebenden Menschen mit Demenz der Fall ist. Diese Begleitung sicherzustellen, stellt die meisten Familien vor große Herausforderungen. Oft fehlt dann die Zeit, eigenen Interessen oder auch einer Berufstätigkeit nachgehen zu können oder sich einfach mal auszuruhen und zu entspannen.

Diese Ausgangssituation war für die Gesetzgebung der Anlass, im Rahmen der Pflegeversicherung (SGB XI) nach und nach die Möglichkeiten der Inanspruchnahme und Finanzierung zusätzlicher entlastender Betreuungs- und Entlastungsleistungen auszubauen. Sie stehen für Personen mit oder ohne Pflegestufe mit demenzbedingten Fähigkeitsstörungen, geistigen Behinderungen oder psychischen Erkrankungen zur Verfügung, bei denen Auswirkungen auf die Aktivitäten des täglichen Lebens festgestellt wurden, die dauerhaft zu einer erheblichen Einschränkung der Alltagskompetenz geführt haben ( vgl. § 45a SGB XI ).

Nach den Regelungen des Pflegestärkungsgesetzes I können seit dem 1.1.2015 nun auch Menschen mit einem rein somatischen Pflegebedarf bei einer Pflegeeinstufung nach dem Pflegeversicherungsgesetz niedrigschwellige Betreuungsleistungen in Anspruch nehmen.

Versicherte, die die genannten Voraussetzungen erfüllen, können je nach Umfang des Betreuungsbedarfs zusätzliche Betreuungsleistungen in Anspruch nehmen ( vgl. § 45b SGB XI ). Die Kosten hierfür werden ersetzt, höchstens jedoch 104 Euro monatlich (Grundbetrag) oder 208 Euro monatlich (erhöhter Betrag).

Die Beträge sind zweckgebunden einzusetzen für qualitätsgesicherte Betreuungsleistungen. Sie dienen der Erstattung von Aufwendungen, die den Versicherten entstehen im Zusammenhang mit der Inanspruchnahme von Leistungen 

  1. der Tages- oder Nachtpflege,
  2. der Kurzzeitpflege,
  3. der zugelassenen Pflegedienste, sofern es sich um besondere Angebote der allgemeinen Anleitung und Betreuung und nicht um Leistungen der Grundpflege und hauswirtschaftlichen Versorgung handelt, oder
  4. der nach Landesrecht anerkannten niedrigschwelligen Betreuungsangebote nach § 45c SGB XI

Weiterhin können seit dem 1.1.2015 bis zu 40% des Pflegesachleistungsbudgets für nach Landesrecht anerkannte niedrigschwellige Betreuungsleistungen verwendet werden.

Mit den Neuregelungen des Pflegestärkungsgesetzes können grundsätzlich auch weitere Entlastungsangebote als Unterstützungsleistungen im Haushalt anerkannt werden. Die dazu erforderliche Landesregelung steht allerdings noch aus. Sie wird voraussichtlich in der 2. Jahreshälfte 2016 vorliegen ( aktuelle Informationen des Ministeriums dazu ).

Mit Datum vom 14.06.2016 ist die Verordnung über niedrigschwellige Hilfe- und Betreuungsangebote für Pflegebedürftige (HBPfVO) übergangsweise geändert worden.
Hiernach gelten erbrachte niedrigschwellige Entlastungsangebote gemäß § 2 a HBPfVO übergangsweise als anerkanntes Entlastungsangebot, soweit eine Leistungsanbieterin oder ein Leistungsanbieter über eine Anerkennung für ein niedrigschwelliges Betreuungsangebot gemäß § 2 HBPfVO verfügt oder als zugelassener Pflegedienst Leistungen nach § 45b Absatz 1 Satz 6 Nummer 3 des Elften Buches Sozialgesetzbuch erbringt.
Alle Voraussetzungen für die Anerkennungen niedrigschwelliger Betreuungsangebote gelten unverändert weiter. Eine Anerkennung ausschließlich von Entlastungsleistungen ist nicht möglich.

Weitere Informationen finden Sie auf der Website der Bezirksregierung Düsseldorf

Weitere Informationen des Gesundheitsministeriums zum Pflegestärkungsgesetz, einschließlich Video

Angebote der Tages- und Nachtpflege sowie der Kurzzeitpflege

Angebote der Tages- und Nachtpflege sowie der Kurzzeitpflege in Ihrer Region können im Internet über Suchmaschinen der Pflege- und Krankenkassen recherchiert werden.

Pflegedienste

Pflegedienste, die zur Erbringung zusätzlicher Betreuungsleistungen berechtigt sind, benötigen dazu eine entsprechende Zulassung der Kassen. Hier finden Sie eine laufend aktualisierte Übersicht über Pflegedienste in NRW, die berechtigt sind, Leistungen nach § 45b SGB XI abzurechnen.

Niedrigschwellige Hilfe- und Betreuungsangebote

Niedrigschwellige Hilfe- und Betreuungsangebote sind Angebote, in denen freiwillige und ehrenamtliche Helferinnen und Helfer unter fachlicher Anleitung die Betreuung von Pflegebedürftigen mit erheblichem Bedarf an allgemeiner Beaufsichtigung und Betreuung in Gruppen oder im häuslichen Bereich übernehmen sowie pflegende Angehörige entlasten und beratend unterstützen. Dies kann in vielfältigen Formen geschehen. Eine Übersicht der Bezirksregierung Düsseldorf über verschiedene Typen niedrigschwelliger Betreuungsangebote und weitergehende Erläuterungen der Angebote finden Sie hier .

Damit die Betreuungsleistungen mit den Pflegekassen abgerechnet werden können, muss das Betreuungsangebot von der Bezirksregierung Düsseldorf anerkannt sein. Bevor Sie ein Betreuungsangebot in Anspruch nehmen, sollten Sie sich bei den Anbietenden der Betreuungsleistung erkundigen, ob eine Anerkennung vorliegt. Anerkannte niedrigschwellige Angebote werden von der Bezirksregierung Düsseldorf tagesaktuell in der Datenbank der Landesinitiative "Unterstützungsangebote bei Demenz in Familie, Freundeskreis und Nachbarschaft" dokumentiert. Sie können dort nach dem Ort, der Postleitzahl sowie der Art des Angebotes recherchiert und entsprechende Listen ausgedruckt werden.

Informationen und Beratung für Anbieter zum Anerkennungsverfahren

Personen, Initiativen und Dienste, die eine Anerkennung durch die Bezirkregierung anstreben, können bei Fragen zur Antragstellung die Beratungshotline der Bezirksregierung Düsseldorf zu niedrigschwelligen Hilfe- und Betreuungsangeboten nutzen.
Telefon:0211 475-3499
Ansprechzeiten
Mo - Mi u. Fr 08.30 - 11.30 Uhr
Do 13.00 - 16.00 Uhr

Eine konzeptionele Beratung für Anbieter Niedrigschwelliger Hilfe- und Betreuungsangebote und Unterstützung bei der regionalen Vernetzung bieten die für die jeweilige Region zuständigen Demenz-Servicezentren.