Alltagsgestaltung für Menschen mit Demenz

Menschen mit Demenz sind mit zunehmendem Krankheitsverlauf nur noch eingeschränkt oder nicht mehr in der Lage ihren Alltag alleine zu bewerkstelligen. Aber Beschäftigung benötigen auch sie. Das Leben steckt voller Aufgaben und Aktivitäten, die wir vielfach unbewusst und routiniert ausführen. Wenn wir einmal nichts „zu tun“ haben, suchen wir uns Dinge, die uns Spaß machen, gehen einem Hobby nach oder suchen uns Entspannung. All das erscheint für uns selbstverständlich. Doch wer an einer Demenz erkrankt ist, verliert nach und nach die Möglichkeit, sich selbst zu beschäftigen und Aufgaben im alltäglichen Leben eigenständig zu erledigen.
Wenn Sie eine Person mit Demenz betreuen, fragen Sie sich vielleicht auch häufiger: „Was kann ich nur mit ihr/ihm machen?“

Demenziell erkrankter Mann
Copyright: Claudia Thoelen

Dabei geht es nicht um eine perfekte Ausführung einer Aufgabe, sondern der Aspekt „nützlich zu sein/noch etwas zu leisten“ steht im Vordergrund. Dieses Gefühl zu vermitteln, zeigt den Menschen mit Demenz, dass sie uns bereichern und unterstützen.
Für die Alltagsgestaltung mit Menschen mit Demenz gibt es kein Patentrezept, vielleicht nur: Alles, was den Menschen Freude macht, ist erlaubt!
Neben der Beschäftigung spielt vor allem die Orientierung eine wesentliche Rolle bei der Gestaltung des Alltags. Wiederkehrende Aufgaben im Tagesablauf vermitteln Sicherheit und Orientierung – der Tag erhält eine Struktur. Eine geregelte Tagesstruktur ist für Menschen mit Demenz besonders wichtig, um sich in Raum und Zeit zurechtzufinden.

Wie finde ich geeignete Aktivitäten?

Demenziell erkrankte Frau
Copyright: Claudia Thoelen

Wenn Sie wissen möchten, was der Person mit Demenz Freude macht und ihr Zufriedenheit verschafft, können Sie zunächst gezielt nach Hobbies oder früheren Beschäftigungen fragen. In den Erzählungen lassen sich meist Hinweise auf mögliche Aktivitäten finden. Wenn Sie ein Familienmitglied betreuen, wissen Sie sicherlich, was die Person früher beruflich gemacht hat oder welche Freizeitbeschäftigungen in der Familie geschätzt waren. Orientieren Sie sich an der Biografie der Person. Ansonsten können Sie natürlich auch einfach Verschiedenes ausprobieren – wer weiß, welche ungeahnten Fähigkeiten und Hobbies in Ihrem Angehörigen stecken…

Aufgaben im Alltag - Menschen mit Demenz einbeziehen

Die Betreuung eines Menschen mit Demenz nimmt sehr viel Zeit in Anspruch und kann zum 24-h-Job werden. Doch Haushalt und andere Erledigungen müssen parallel zur Pflege und Begleitung laufen. Sie können sich selbst entlasten, wenn Sie Ihre Angehörigen mit Demenz in diese Aufgaben einbeziehen. Damit können Sie die Tätigkeiten erledigen und haben gleichzeitig eine Beschäftigungsmöglichkeit für ihr demenzerkranktes Familienmitglied. Folgendes sollten Sie dabei beachten:

  • Menschen mit Demenz sind nicht mehr in der Lage komplexe Handlungsabläufe nachzuvollziehen. Deshalb sollten Sie schwierige Dinge, die mehrere Bearbeitungsschritte erfordern, meiden. Kaffee kochen kann bereits zur Herausforderung bzw. Überforderung werden (Wasser einfüllen, Filter falten und einlegen, Kaffeepulver einfüllen, Kanne richtig unterstellen, Startknopf drücken).
  • Wenn es notwendig ist, geben Sie kleine Anweisungen
  • Geben Sie der Person mit Demenz Zeit die Aufgabe auszuführen. Auch wenn es einmal länger dauert und das Ergebnis vielleicht nicht ganz perfekt ist, geben Sie der Person das Gefühl, wichtig zu sein und einen Anteil am Haushaltsleben zu leisten.
  • Motivieren Sie Ihren Angehörigen und sprechen Sie Lob für die getane Arbeit aus.
  • Bedenken Sie, dass die Konzentrationsfähigkeit bei Menschen mit Demenz eingeschränkt ist. 15 bis 20 Minuten Konzentration auf eine Tätigkeit gelingen Ihrem Angehörigen. Geteilte Aufmerksamkeit stellt jedoch für viele Betroffene ein Problem dar. Vermeiden Sie deshalb intensive Gespräche und andere  Ablenkungen während der Ausübung einer Tätigkeit, indem Sie zum Beispiel das Radio ausschalten. Geben Sie anschließend genügend Raum für Pausen/Entspannungszeiten.
  • Je weiter die Demenz fortgeschritten ist, desto schwieriger gelingt es den Betroffenen, eigenständig Dinge im Haushalt zu übernehmen. Wenn eine Aufgabe nicht mehr vollständig ausgeführt werden kann, lassen Sie Ihren Angehörigen einen Teil davon erledigen. Zum Beispiel kann Ihr Angehöriger vielleicht nichts mehr mit der Aufforderung anfangen, er/sie solle den Tisch decken. Aber wenn Sie ihn/sie bitten, zwei Gläser auf den Tisch zu stellen, wird das vielleicht noch gelingen.

 Ob Wäsche zusammenlegen oder mit dem Staubtuch über die Kommode wischen – Bei den im Haushalt täglich anfallenden Aufgaben werden Sie viele Tätigkeiten finden, bei denen Sie Ihren dementiell erkrankten Angehörigen einbeziehen können.

Freizeitaktivitäten anbieten

Demenziell erkrankte Personen bei der Erdbeerernte

Copyright: Claudia Thoelen

Bewegung tut uns allen gut - in jedem Lebensalter. Ob ein schon früher ausgeübter Sport oder ein Spaziergang an der frischen Luft - je nach Verfassung der Person mit Demenz haben Sie viele Möglichkeiten, sich und Ihre Angehörigen in Bewegung zu versetzen. Das fördert das Wohlbefinden, die Beweglichkeit und auch den Appetit.

Auch Gartenarbeit kann Teil der (täglichen) Bewegung sein. An leichter Gartenarbeit finden viele Menschen Freude.

Musik hat ebenfalls eine positive Wirkung auf Menschen mit Demenz. Wer gerne singt oder ein Instrument spielt oder einfach nur der Musik zuhört, kann darin Zufriedenheit und Wohlbefinden empfinden.

Das Erzählen von früher ist häufig eine beliebte Beschäftigung und verankert die Menschen mit Demenz in ihrer Identität, gibt Antworten auf die Frage: Wer bin ich? Wo komme ich her…?

Neben diesen Beispielen gibt es eine Reihe weiterer Beschäftigungsmöglichkeiten, die wir Ihnen nur stichpunktartig nennen wollen. Bei allen Möglichkeiten lohnt es, sich an den Vorlieben und der Biografie der Betroffenen zu orientieren.

  • Vorlesen oder selbst lesen (z. B. Zeitung oder alte Berichte)
  • Zeichnen und Malen ggf. auch Basteln
  • Handwerkliche Tätigkeiten
  • Fotoalben anschauen
  • Spiele spielen (dabei kommt es nicht auf die Einhaltung von Regeln an; ggf. können Regeln auch vereinfacht werden)
  • Briefmarkensammlung anschauen und ggf. erweitern
  • Besuche im Theater, in der Oper, Konzertbesuche
  • Jahreszeitliche Aktivitäten (über den Weihnachtsmarkt gehen, Karneval feiern, Baden gehen, Herbstlaub sammeln,…)
  • Und vieles mehr

Informationen zu weiteren Themen, die im Alltag eine Rolle spielen können, finden Sie in den Veröffentlichungen der Landesinitiative. Eine Auswahl finden Sie hier:

  • Hilfen zur Kommunikation bei Demenz von Jennie Powell (Deutsche Ausgabe). Demenz-Service Heft 2, Kuratorium Deutsche Altershilfe (Hrsg.), 2012, Köln
    Nur als Print
  • Hilfen zur Kommunikation bei Demenz von Jennie Powell (Russische Ausgabe). Помощь в общении при деменции, Demenz-Service Heft 12, Kuratorium Deutsche Altershilfe (Hrsg.), 2012, Köln
    Als Print und Download
  • Hilfen zur Kommunikation bei Demenz von Jennie Powell (Türkische Ausgabe). Demanslılarla İletişim İçin Yardım, Demenz-Service Heft 13, Kuratorium Deutsche Altershilfe (Hrsg.), 2012, Köln
    Als Print und Download
  • Essen und Trinken bei Demenz von Helen Crawley, Demenz-Service Heft 8, Kuratorium Deutsche Altershilfe (Hrsg.),  2011, Köln
    Nur als Print
  • Wohnungsanpassung bei Demenz - Informationen für Betroffene und ihre Angehörigen, Demenz-Service Heft 10, Kuratorium Deutsche Altershilfe (Hrsg.), 2012, Köln
    Als Print und Download

Die Broschüren senden wir Ihnen gerne auf Anforderung zu.

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